Der Welfenschatz bleibt

Zum großen Knall kam es nicht im Streit um den Welfenschatz. Hätte die Limbach-Kommission eine Rückgabe der 42 mittelalterlichen Goldschmiedearbeiten aus dem Berliner Kunstgewerbemuseum befürwortet, wäre das wohl die gewaltigste Kunstrestitution der vergangenen Jahrzehnte geworden. Und ein enormes Geschäft, denn die berühmten Reliquienbehälter hätten gewiss alle bisherigen Dimensionen der Vermarktung mittelalterlicher Kunst gesprengt. Aber das Raubkunst-Schiedsgericht unter Vorsitz von Jutta Limbach hat mit seiner (nicht rechtsverbindlichen) Empfehlung anders entschieden. Man sei sich zwar des "schweren Schicksals" der vier jüdischen Verkäufer in der Nazizeit bewusst, aber die Kunsthändler seien 1935 bei der Transaktion nicht unter Druck gesetzt worden. Der gezahlte Preis sei angemessen gewesen, zudem erhielten die Verkäufer nachweislich die ausgehandelte Summe von 4,25 Millionen Reichsmark und konnten darüber frei verfügen: Die Kriterien der "Handreichung" zum Umgang mit NS-Raubkunst seien damit erfüllt. Aber der Fall ist eben doch komplexer. Was heißt "angemessen" für eine Zeit, in der zwei der Händler mit ihren Firmen schon ins Ausland geflohen waren, die anderen bald nachfolgen sollten? Warum nicht die Empfehlung, die damals insgesamt bedrängte Situation der Kunsthändler mit einer finanziellen Geste anzuerkennen? Versöhnung und Frieden hat die Limbach-Kommission nicht gestiftet. Die Erben haben bereits weitere Schritte angekündigt. Sebastian Preuss

Pollock geht

Eigentum verpflichtet, mahnt das Grundgesetz. Die Firma E.on hingegen möchte Jackson Pollocks Number 5 (Elegant Lady) bei Christie’s in New York versteigern. 15 bis 20 Millionen Dollar werden dafür erwartet. Der Haken: Seit 13 Jahren hing das Gemälde als kapitale Leihgabe im Museum Kunstpalast in Düsseldorf – einem Haus, das E.on selbst als Hauptsponsor unterstützt. Man trenne sich nun von dem Bild, um das Kultursponsoring für kommende Jahre zu sichern, sagt E.on, doch macht diese Erklärung die Sache nicht besser. Man stelle sich nur den Entrüstungssturm vor, würde der französische Präsident François Hollande auf die Idee kommen, die Mona Lisa zu verkaufen, um den Etat des Kulturministeriums aufzupolstern. Vielleicht sollte man bei E.on den Passus mit dem Eigentum noch mal nachlesen.Tim Ackermann