Haben nicht gerade wir Deutschen eine Verantwortung, zumindest gegen die allerschlimmsten Verbrechen wie Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit unsere Stimme zu erheben? Sollten nicht gerade wir unseren Politikern unsere Empörung darüber vermitteln, wenn Menschen allein aufgrund ihrer Identität ermordet werden? Sollten wir nicht viel lauter fordern, dass sie unser Geld für präventive Maßnahmen ausgeben statt für humanitäre Hilfe, wenn es schon zu spät ist? Deutschland kann selbstbewusst als Vermittler in Konfliktsituationen auftreten, auch wenn es damit ehemaligen europäischen Kolonialmächten in die Quere kommt. Und es kann denjenigen, die sich in akuter Gefahr befinden, die Türen viel weiter öffnen.

Die Situationen in der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan und in Syrien haben eins gemeinsam. Zivilisten – Männer, Frauen, Kinder, Mütter, Väter, Verwandte – sind die Hauptleidtragenden der Auseinandersetzungen. Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit und unseren Protest. Wir Wähler können politischen Willen herstellen.

Für die Millionen Ruander, die in diesen Tagen ihrer verstorbenen Familienmitglieder gedenken, ist der Verlust nicht mehr gutzumachen. Aber vielen Menschen, die heute in Gefahr sind, sei es in Syrien, im Südsudan, in Zentralafrika oder dort, wo Gewalt noch nicht ausgebrochen ist, könnte mehr deutsches Engagement das Leben retten. Ist ein Anruf beim Abgeordneten dafür zu viel verlangt?