Sieht nicht nach Tradition aus, ist aber Tradition. Mantel von Fendi © Peter Langer

Dieser Tage wird im Londoner Victoria and Albert Museum die Ausstellung The Glamour of Italian Fashion eröffnet. Sie zeigt, wie Italiens Modemarken nach dem Zweiten Weltkrieg zum Inbegriff von Glamour und Stars wie Audrey Hepburn und Elizabeth Taylor zu Botschafterinnen italienischer Mode wurden. Sie beschreibt, wie Mailands Modeindustrie geschickt Verbindungen mit Hollywood knüpfte und Italien zur Kulisse vieler Filme machte, allen voran natürlich von Federico Fellinis La dolce vita. Dabei wird deutlich, dass bei allem Mediengeschick die große Stärke Italiens immer die handwerkliche Qualität war. Nur so konnte ein Talent wie Salvatore Ferragamo zum Schuhmacher Hollywoods und die Pelz- und Lederwaren-Manufaktur von Adele Casagrande und Edoardo Fendi zum Ausstatter der Filmdiven werden.

Nach ihrer glamourösen Zeit hat die italienische Mode auch Krisen erlebt. Viele der oft familiengeführten Häuser taten sich schwer, sich zu verjüngen. Auf die Generation der Entrepreneure folgte eine Generation der Zauderer. Allerdings bleibt Italien weiterhin führend in den Bereichen Verarbeitung und Handwerkskunst, denn schließlich muss man das Material erst beherrschen, bevor man innovativ sein kann.

Wozu die italienische Handwerkskunst imstande ist, kann man jetzt an Ledermänteln bewundern. War Leder einst ein Material für unfreundliche Witterungen, so wird es mittlerweile wie ein leichter Sommerstoff verarbeitet. Die erste Ready-to-wear-Sommerkollektion des sonst eher für Taschen und Schuhe bekannten Labels Tod’s sieht aus, als sei sie aus Baumwolle geschneidert – dabei ist extradünnes, durchbrochenes Leder verarbeitet worden. Auch Fendi hat diesen Sommer Kleider und Mäntel aus dünnem Leder im Programm.

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Leder bekommt eine neue Bedeutung, weil Luxus nicht mehr nur mit modischen Schnitten, sondern vor allem mit der Verarbeitung und den Materialien definiert wird. "Wir glauben sehr an italienische Handarbeit und handwerkliche Tradition, weil wir wissen, dass unsere Zukunft davon abhängt", sagt Silvia Fendi. Mode soll nicht nur den Moment abbilden, sondern diesen überdauern. Und wohl deswegen wird italienische Mode eine Zukunft haben.