Einst sollte eine Uhr nur die Uhrzeit anzeigen. Was eigentlich nicht allzu kompliziert ist, muss man doch einfach zwei Zeigern bei ihrem regelmäßigen Lauf durch den Tag zuschauen. Mit der technischen Entwicklung kamen allerdings immer mehr Funktionen hinzu, neben Mondphasen und Sekunden auch das Datum. Armbanduhren mit Zeigerdatum gibt es schon seit etwa 1912. In den dreißiger Jahren setzten sich Datumsfenster durch. Einer der Pioniere war dabei Girard-Perregaux, der bekannteste Vertreter nach 1945 Rolex mit dem Modell Datejust.

Heute ist das Fensterdatum eines der häufigsten Ausstattungsmerkmale mechanischer Uhren. Doch eben auch ein ewiges Ärgernis. Die Tagesziffern sind auf einen Ring gedruckt, der vom Werk alle 24 Stunden um eine Position fortgeschaltet wird.

Das erste Problem ist die notwendige Winzigkeit. Schließlich müssen auf einen schmalen Ring 31 Zahlen gedruckt werden. Bei Rolex löste man dieses Problem, indem man das Uhrglas mit einer kleinen Lupe versah. Andere Hersteller vertrauten einfach darauf, dass der Uhrenträger gerne das Kleingedruckte liest.

Die Firma A. Lange & Söhne hingegen hat schon früh das Großdatum kultiviert und zur Marke gemacht. Dabei drehen sich zwei Scheiben unter zwei Fenstern, in denen separat die Zehner- und die Einerziffer des Datums gezeigt wird. Dabei müssen nur noch die Ziffern 0 bis 9 auf einer Datumsscheibe untergebracht werden. Die einzelnen Ziffern können also größer sein – man kann leichter das Datum ablesen. Die Marke Glashütte Original rühmt sich gar, ein "Panoramadatum" anzubieten. Dabei drehen sich die zwei Ziffernscheiben in einem gemeinsamen Fenster.

Warum wird die Datumsanzeige auf der Uhr immer voluminöser? Vielleicht weil das Datum die letzte Information ist, für die man eine Armbanduhr heute wirklich noch gut brauchen kann. Wie viel Uhr es gerade ist, vergisst man in der streng durchgetakteten Gegenwart selten. Welchen Tag man hat, schon öfter.

Noch schöner allerdings wäre, wenn die Information im Datumsfenster auch stimmen würde. Denn nicht jeder Monat verläuft wie der andere. Ein Monat kann 28, 29, 30 oder 31 Tage haben. Das überfordert die normale Mechanik, und so muss man die Datumsanzeige in allen Monaten mit weniger als 31 Tagen korrigieren. Wer das vermeiden möchte, ist gezwungen, sich eine Uhr anzuschaffen, die ungleich komplizierter ist. Sie muss einen Jahreskalender beinhalten, in dem eine Mechanik erkennt, welchen Monat man gerade hat. Nur der Februar muss weiterhin nachgestellt werden. Um auch diesen zu identifizieren und außerdem die Schaltjahre nach Gajus Iulius Caesar einzubeziehen, braucht es eine Uhr mit Vierjahresgedächtnis, das man ewigen Kalender nennt.

Ein ewiger Kalender ist sehr kostspielig. Und seine Ewigkeit dauert nur noch 86 Jahre. Denn spätestens im Jahr 2100 muss man die Datumsanzeige trotzdem umstellen. In jenem Schaltjahr fällt laut dem Gregorianischen Kalender, den Papst Gregor XIII. im Jahr 1582 eingeführt hat, der 29. Februar aus.