Ende dieser Woche kommt Chinas Präsident Xi Jinping nach Deutschland. Genauer gesagt, nach Berlin, Düsseldorf und Duisburg. Es ist ein Termin, dem die Geldszene in Frankfurt seit Langem voller Erwartung entgegensieht. Warum das am Main interessiert, wollen Sie wissen? Nun, viele hier hoffen darauf, dass Chinas Führung bei der Gelegenheit Deutschlands Finanzhauptstadt den Zuschlag gibt, künftig als Abwicklungszentrum für Geschäfte mit der Landeswährung Yuan zu dienen. Es geht um Handel, Transaktionen, die Aufrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten und andere Geschäfte.

Die Expansion gehört zu Chinas Projekt, schrittweise seine Währung dem Markt zu überlassen, offenbar mit dem Ziel, den Yuan langfristig neben dem Dollar und dem Euro als globale Währung zu etablieren. Nun buhlen neben Frankfurt auch Städte wie London, Paris und Luxemburg darum, Ziel dieser Expansion zu werden. Der gemeine Frankfurter auf der Straße nimmt’s gelassen, wie immer, aber die Banken und Kanzleien in den Türmen der Stadt spekulieren auf neue Geschäfte, und die Stadtverwaltung hofft auf neue Firmen.

Glaubt man der Landesbank Hessen-Thüringen, geht es der Stadt auch ohne Yuan gut. In einer neuen Studie sieht sie in der Heimat von Bundesbank, Europäischer Zentralbank, der europäischen Bankenaufsicht und einer Reihe anderer Finanzinstitutionen die "Hauptstadt des europäischen Aufsichtswesens". London und Paris hätten Vergleichbares nicht zu bieten, Frankfurt werde immer mehr zu einem "place to be" für Finanzakteure und stehe "im Rampenlicht des Finanzgeschehens". Nun bleibt abzuwarten, ob Chinas Führung ihre Währung wirklich in eine Stadt mit so viel Rampenlicht und Aufsicht bringen will – oder ob der Staatschef beim nächsten Mal nicht doch einfach wieder in Duisburg vorbeischaut. Im Ruhrgebiet gibt es ja auch Kohle.