Nagelt er? Immerhin noch ein paar Augenblicke, beim Kaltstart, als wir am südlichen Ende der Düsseldorfer Königsallee aus der Parklücke schlenzen. Ungebührliches Geräusch für diese Gegend, wo der Unterschied zwischen Schein und Sein gern mit einem Designermäntelchen bedeckt wird. Doch noch ehe der Temperaturzeiger sich bewegt, ist aus dem Nageln ein sattes Summen geworden.

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Im Audi SQ5 gibt es einen serienmäßigen Widerspruch: Sein Modellname signalisiert sportlichen Anspruch, aber unter der Haube steckt ein Dieselmotor. Zwar wurden mit Dieselmotoren schon Rallyes gewonnen, doch für Hubraumenthusiasten muss ein Motor röhren, sonst ist es kein Rock ’n’ Roll. Unerträglicher Gedanke: einen "Heizöl-Ferrari" zu fahren.

Als Porsche die vielfach belächelten variablen Klappen im Auspuff einführte, mit denen der Motor auf Knopfdruck lauter wurde, spiegelte das die schlichte Erkenntnis: Das Ohr fährt mit. Der Sound gehört zum Markenkern. In diese Richtung gehen auch die Versuche anderer Hersteller, das Fahrerlebnis über die Bordlautsprecher emotional aufzuwerten. Audi hat nun die Lautsprecher gleich in die Auspuffanlage eingebaut, in eine zweite Kammer neben dem Schalldämpfer. Dort werden dem eigentlichen Motorgeräusch, passend zu Fahrsituation und Drehzahl, weitere Klanggewürze beigemischt.

Die A 57 zwischen den beiden ewig konkurrierenden Karnevalshochburgen ist perfekt für den SQ5 und seine akustische Kostümierung: Alt trinken, aber Kölsch singen. Auf der Autobahn zeigt der Audi, dass man mit einem Diesel längst schneller und souveräner unterwegs sein kann als mit vielen sogenannten Sportwagen.

"Comfort" oder "dynamic" kann man im Bordcomputer wählen. Die erste Stufe dämpft den Pegel etwas, bei der zweiten wird der Klang sonor und tief und erinnert an einen Achtzylinder-Benziner. Nicht ganz billig, der Spaß. Trotzdem glühen die Internetforen. Tausende Besitzer braver A4-Kombis wollen ihrer Familienkutsche den fetten Sound verpassen. Eines Tages wird man mit dieser Technik jeden gewünschten Klang erzeugen können. Vielleicht lädt man sich Motorsounds aus dem Internet wie früher Klingeltöne. Ein Smart klingt dann womöglich wie ein Space Shuttle. Irgendwie beruhigend, dass der SQ5 bislang wenigstens noch ein zartes Nageln von sich gibt.

Technische Daten

Motorbauart: 6-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 230 kW (313 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 5,1 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO2-Emission: 179 g/km
Durchschnittsverbrauch: 6,8 Liter
Basispreis: 60.100 Euro

Margit Stoffels ist Mitarbeiterin beim ZEITmagazin