Die Büropflanze hat einen schrecklichen Ruf. Wer in Berlin eine schicke Start-up-Agentur gründet, würde vielleicht in eine Tischtennisplatte und eine Fototapete investieren, um das Klima zu verbessern. Ganz bestimmt aber nicht in Pflanzkübel.

Das hat weniger mit der Pflanze selbst zu tun, sondern eher mit der Arbeitsmoral. Am Arbeitsplatz soll man sich als Wesen präsentieren, das funktioniert. Ein schnurrendes Rad in der großen Maschine. Eine Pflanze aber funktioniert nicht, sie wächst.

Sie steht quasi als Antithese zum rationalen Betrieb demonstrativ im Weg herum. Die Pflanze braucht Wasser und Luft und vielleicht etwas Liebe. Am Arbeitsplatz aber gibt es tausend wichtigere Dinge als Wasser und Luft und vor allem Liebe.

Wenn man sich in diesem Umfeld zu sehr um seine Büropflanzen kümmert, setzt man sich schnell dem Verdacht der passiven Sabotage aus. Da will jemand wachsen, nicht aufsteigen. Da vegetiert jemand so vor sich hin. Also haben Pflanzen wenig Freunde in der Firma, obwohl sie die Luftfeuchtigkeit verbessern, Schadstoffe absorbieren, den Geräuschpegel senken und für Entspannung sorgen können.

Wenn doch mal Pflanzen im Büro auftauchen, dann meist in der Form von Yuccas, Gummibäumen oder Birkenfeigen – wir kennen sie aus der Grünabteilung von Ikea. Diese Pflanzen sind billig, aber sie sind nicht unbedingt robust. Yuccas und Gummibäume müssen hell stehen, weswegen sie nicht an die Orte gehören, wo die größte Office-Tristesse herrscht.

Die beliebte Birkenfeige Ficus Benjamina braucht konstante Temperaturen, verträgt keine Zugluft und keine Standortwechsel. Außerdem wachsen all diese Pflanzen langweilig nach oben. Dabei waren die schönsten Büropflanzen immer die Schlingpflanzen, die sich unkontrolliert an den Regalen nach oben arbeiten.

Das großartigste dieser Gewächse ist in Vergessenheit geraten: das Fensterblatt, Monstera deliciosa. Es windet sich mit seinen großen geschlitzten Blättern in jeden Winkel und ist kaum kaputtzukriegen. Es ist so flexibel, wie wir alle gerne wären. Und außerdem sind seine Früchte essbar und gar nicht so ungesund, man kann sie als Lunch einnehmen. Das sollte doch ein Ansatz für jede Unternehmensberatung sein, in den Büros der Kunden üppig Grün zu installieren, um die Produktivität nach oben zu treiben.