Verdienen diese Banker so viel, weil ihre Arbeit so riskant ist – oder ist ihre Arbeit so riskant, weil sie so viel verdienen? 1.295 Mitarbeiter hat die Deutsche Bank 2013 identifiziert, deren Leistung besonders stark über das Wohl und Wehe des Hauses entscheidet. Im Durchschnitt erhielt jeder dieser Mitarbeiter eine variable Vergütung von mehr als einer Million Euro im Jahr und eine fixe Vergütung von 300.000 Euro. Im Durchschnitt lagen die Boni also weit über den Festgehältern.

Damit soll Schluss sein. Gemäß einer neuen Richtlinie der EU soll ein Banker künftig der Regel nach keinen Bonus mehr erhalten, der sein Festgehalt übersteigt. Maximal darf der Bonus das Doppelte des Fixums betragen, und das auch nur, wenn die Aktionäre zustimmen. Die Deutsche Bank verschickt in Kürze die Einladung zu ihrer Hauptversammlung im Mai – und darin steht mit großer Wahrscheinlichkeit, dass sie ihre Eigentümer bittet, den Bonusrahmen zu erweitern.

Ob Deutsche Bank, ob HSBC, Barclays und Standard Chartered in Großbritannien oder BNP Paribas und Société Générale in Frankreich: Viele europäische Finanzinstitute werden die Aktionäre auf ihren kommenden Treffen um den Segen für eine großzügigere Regelung bitten. In London führen einige Häuser zudem kreative Aufschläge ein, um die Einkommensverluste aus der künftigen Bonusbegrenzung zu kompensieren.

Vor allem Letzteres ärgert die Parlamentarier der Europäischen Union und setzt die Aufsichtsbehörden unter Druck. Zugleich zementiert das Verhalten der Branche den Eindruck der Öffentlichkeit, dass die Banker keine Einsicht zeigen. Allerdings hängt dieser Frust auch mit überzogenen Erwartungen zusammen, was der sogenannte Bonusdeckel leisten soll und kann.

Der Bonusdeckel setzt den Schlusspunkt hinter eine Entwicklung. Ziel der Vorschrift ist es, das Finanzsystem stabiler zu machen, indem sie das Gewicht in der Vergütung weg von den Bonuszahlungen und stärker in Richtung Festgehalt verschiebt. Vor der Finanzkrise erhielten Topleute in Banken im Vergleich zur Industrie niedrige Festgehälter, dafür aber Boni, die das Sechs- bis Zehnfache der Festbezüge ausmachen konnten. Managing Directors, also Mitglieder der oberen Führungsebenen, kassierten im Durchschnitt etwa 150.000 Euro Festgehalt, aber Boni von deutlich mehr als einer Million Euro. Das verlockte tendenziell dazu, hohe Risiken einzugehen, nach dem Motto: Bin ich erfolgreich, kriege ich einen höheren Bonus, sind meine Geschäfte ein Desaster, bleibt das an der Bank oder dem Steuerzahler hängen – während ich schon über alle Berge bin. Die Folgen sind bekannt.

Die Regelung der EU, die sich erstmals 2015 – also bei den Boni für das Jahr 2014 – auswirkt, will die Anreize anders setzen und Banker davon abhalten, zu hohe Risiken einzugehen. Um die Höhe der Bezüge geht es weniger. "Es soll den Bankern ja nichts weggenommen werden", heißt es in Aufsichtskreisen. Das sieht man auch an den bereits erfolgten Änderungen der vergangenen fünf Jahre. So haben Europas Banken angesichts massiver Kritik von Politik und Öffentlichkeit ihre Boni um mehr als ein Drittel zusammengestrichen. Allerdings haben sie im Gegenzug die Festgehälter ihrer Führungskräfte vielfach verdoppelt. Spitzenkräfte unterhalb des Vorstandes erhalten heute häufig Bonuszahlungen von weniger als einer Million Euro, dafür aber Festbezüge von 300.000 bis 400.000 Euro.

Betroffen vom Bonusdeckel ist ein überraschend überschaubarer Kreis. Entgegen dem Bild in der Öffentlichkeit muss sich die Masse der Bankangestellten im Jahr mit einem Bonus von einigen Tausend Euro zufriedengeben. Selbst die meisten Investmentbanker erhalten keine Erfolgsprämie, die ihr Jahresfixum übersteigt. Für den Großteil der Belegschaft ist der Bonusdeckel also nicht relevant.

Im Zentrum der Regelung stehen jene Spitzenkräfte, deren Entscheidungen für die Bank, das Finanzsystem und den Steuerzahler relevant sind. Anders ließe sich ein Eingriff in das Vergütungssystem nur einer Branche auch nicht rechtfertigen. Die Europäische Bankenaufsicht zählt zu diesen sogenannten Risikoträgern zunächst einmal alle Beschäftigten, die mindestens eine halbe Million Euro im Jahr verdienen. Davon stehen dann jene Mitarbeiter im Fokus, die große Risiken eingehen oder diese kontrollieren können; ist dies nicht der Fall, sind Ausnahmen erlaubt. Betroffen sind vor allem das Management, die obersten Risikokontrolleure und die "Masters of the Universe" im Investmentbanking, also auch hochrangige Händler.