ZEITmagazin: Herr Dixon, Sie sagen, dass Sie als Designer stets aus den Knochen heraus arbeiten ...

Tom Dixon: Ich schaffe gerne mit den Händen. Deswegen interessiere ich mich dafür, wie die Dinge aufgebaut sind. Also gewissermaßen dafür, wie ihr Skelett ist. Die Mehrheit der jungen Designer ist heute vor allem an der äußeren Form interessiert und denkt dann erst ans Material. Meine Objekte dagegen sind von innen nach außen gestaltet. Ein Freund hat mir einmal gesagt, meine Gegenstände seien Wirbeltiere. Ich finde das einen ganz passenden Begriff. Sie haben Knochen.

ZEITmagazin: Sie schaffen gerne mit den Händen – aber Ihre Karriere als Designer begann mit einen Armbruch, oder?

Dixon: Das ist nicht ganz richtig. Sie begann mit einem Beinbruch. Ich hatte mich gerade an der Kunsthochschule eingeschrieben und verunglückte dann mit dem Motorrad. Danach musste ich lange liegen. Ich bin nie wieder zur Uni gegangen. Später spielte ich Bass bei einer Band. Zwei Wochen vor einer Tour brach ich mir den Arm. Das war das Ende meiner Musikerkarriere. Ansonsten wäre ich nie Designer geworden.

ZEITmagazin: Sie hätten Rockstar werden können.

Dixon: Der Bassist, der mich damals ersetzte, spielte später bei Pink Floyd. Vielleicht wäre das auch meine Bestimmung gewesen.

ZEITmagazin: Ist es ganz anders, Möbel zu machen als Musik?

Dixon: Man kann es vor allem allein machen. Man muss seine Kreativität nicht ständig mit sieben anderen schwitzenden Männern teilen. Aber in den achtziger Jahren waren Musik- und Möbelmachen tatsächlich vergleichbar. Du fängst an mit nichts, verstehst nichts von dem, was du machst – und trotzdem gibt es jemanden, dem es gefällt und der dir Geld dafür gibt. Es war eine Do-it-yourself-Lebensweise. Es war die Zeit der Sex Pistols. Crazy shit: Eine Band, die kein Talent hatte, konnte einen Nummer-eins-Hit landen. Man dachte, wenn die das können, kann ich das auch. Eigentlich folge ich der Maxime immer noch. Ich könnte sicher auch einen Film drehen. Es wäre wohl ein schlimmer Film. Aber der zweite wäre besser.

ZEITmagazin: Wie hat Sie diese Zeit auf das vorbereitet, was Sie heute machen?

Dixon: Bevor ich angefangen habe, rohes Metall zu Möbeln zu verschweißen, habe ich mit Freunden Partys in Striptease-Lokalen organisiert. Ich komme aus der Unterhaltungsindustrie, und Design wird heute immer mehr zur Unterhaltung. Früher war es eine sehr ernste Angelegenheit. Bei meinen Partys habe ich auch gelernt, wie wichtig ein Netzwerk ist. Und heute ist Networking ja alles.

ZEITmagazin: Hat dieses Networking auch einen Einfluss auf Ihr Design?

Dixon: Sicher – ich interessiere mich zum Beispiel sehr für Clubs. Wir haben gerade das Shoreditch House in London eingerichtet. Das ist ein Private Members Club, der zur Soho-House-Gruppe gehört. Der Club ist für mich etwas sehr Britisches, aber auch ein sehr modernes Thema. Der Club ist heute nicht nur Freizeitraum, sondern auch Arbeitsraum. Es sieht aus wie Vergnügen, ist aber Arbeit. Allerdings mit besserem Kaffee und bequemeren Stühlen.

ZEITmagazin: Wie das?

Dixon: Die Menschen haben keine Lust mehr, im eigenen Büro herumzuhängen. Für sie ist der Club eine Alternative. Menschen kommen ins Soho House, laden ihre Freunde und Geschäftspartner dorthin ein und halten dort ihre Meetings ab. Das ist eine internationale, moderne Arbeitsumgebung. Man braucht ja zum Arbeiten nicht mehr als ein Smartphone und einen Laptop. Das alles ist natürlich erst durch das drahtlose Arbeiten möglich geworden.

ZEITmagazin: Was denken Sie über das Verschmelzen von Arbeit und Privatsphäre?

Dixon: Vor ein paar Jahren hat alles vom Homeoffice gesprochen. Wir würden zu Hause bleiben und von dort aus arbeiten. Das ist nie eingetreten. Niemand will zu Hause bleiben, wir wollen raus in die Welt, Leute treffen.