Viele Menschen haben seit einigen Tagen das untrügliche Gefühl, dass ihnen etwas fehlt. Nämlich Zeit. Und sie liegen richtig mit ihrer Mutmaßung, denn am vergangenen Wochenende hat jedermann eine ganze Stunde verloren. Ursprünglich sollte die saisonale Zeitverschiebung, die im dritten Jahr des Ersten Weltkrieges eingeführt wurde, wohl dazu dienen, die Effizienz der Kriegsmaschine zu steigern. Später wurde eine allgemeine Energieeinsparung ins Treffen geführt. Alle Nachtschwärmer, die in den verlustreichen Stunden unterwegs waren, konnten sich am nächsten Tag vermutlich diesem Argument nicht ganz anschließen. Die klügsten Geister zerbrechen sich nun den Kopf, wie das Problem zu lösen sei. Der FPÖ-Chef etwa sieht überhaupt keinen Nutzen. Kann sein, dass er in dieser Frage als alter Partyhecht vielleicht etwas befangen ist. Bedeutete doch diese Umstellung den Verlust von genau 60 Minuten ausgelassener Fetenstimmung. Andererseits ist das Zeitgefühl seiner Partei an gewisse Lücken gewohnt, was wieder für die Sommerzeit spräche. Ein grüner Landesrat in Oberösterreich diagnostiziert hingegen zunehmende Biorhythmusstörungen, wenn eine Stunde verloren geht. Nicht einmal Tempobeschränkungen auf allen Verkehrsflächen könnten da etwas ausrichten, einzig eine durchgängige Sommerzeit. Im Gegensatz zur ÖVP, die aus genau demselben Grund für eine unterbrechungslose Winterzeit plädiert. Vermutlich um nicht aus dem eigenen Winterschlaf gerissen zu werden. Zeit ist bekanntlich relativ. Sozialdemokraten halten sich nicht ganz überraschenderweise aus dieser Debatte heraus. Zeit ist für sie kein Faktor. Die Roten haben schon so viel davon verloren, dass die eine Stunde mehr oder weniger wirklich keine Rolle mehr spielt. Verwunderlich eigentlich, dass keiner dieser großen Denker auf eine neue Variante kam. Nämlich nur im Herbst auf die Winterzeit umzustellen und das täglich. Dadurch würde sich aller Leben dramatisch verlängern, allerdings ohne Alterungsprozess. Und so wäre endlich unser demografische Problem gelöst. Genial.