Infografiken basieren überwiegend auf Zahlen. Deshalb bedeutet die Kontrolle über diese Zahlen Macht. Die übt aus, wer die Zahlen besitzt – und daraus eine Grafik macht. Durch Auswahl und Präsentation von Informationen lassen sich zum Beispiel politische Botschaften transportieren. Angenommen die Polizei in einer Stadt veröffentlicht die Einbruchsrate der letzten zehn Jahre per Balkendiagramm. Selbst wenn die Kriminalität nur sehr leicht zurückgegangen ist, lautet das Signal für alle Bürger: Die Stadt wird sicherer. Aus den Rohdaten aber, die geografisch aufgeschlüsselt sind, ließe sich womöglich auch etwas anderes herauslesen: In bestimmten Vierteln ist der Trend gegenläufig. Veröffentlichte die Polizei anstelle des fertigen Diagramms einen detaillierten Datensatz, ließe sich daraus ein digitaler Stadtplan basteln, der für jedes einzelne Viertel die Entwicklung der Einbrüche zeigt, was für die Bürger interessanter wäre – die Politik aber um ihre Erfolgsmeldung brächte.

Zahlen, Daten und Fakten aus Regierung und Behörden, von Ämtern und öffentlichen Betrieben sollen der Allgemeinheit zugänglich sein. Das ist der erste zentrale Gedanke der Open-Data-Bewegung. Bürgerrechtler, Hacker, kleine Firmen können gleichermaßen profitieren, wenn sie diese Daten nach freien Stücken verwenden dürfen. Das ist der zweite Gedanke. Und tatsächlich hat diese Idee Zulauf: Etwa ein Dutzend deutscher Städte betreibt dafür sogenannte Open-Data-Portale. Seit gut einem Jahr hat auch der Bund sein Portal: govdata.de. Kurz zuvor hatte die europäische Union open-data.europa.eu gestartet. Dort kann sich jedermann amtliche Datensätze herunterladen. Nicht zuletzt für Rechercheure und Infografiker sind diese eine Fundgrube – und liefern Treibstoff für den aufblühenden Datenjournalismus.

Die Zukunft verheißt also eine wahre Zahlenfülle. Ein Boom von Infografiken und Datenvisualisierung könnte bevorstehen. Spitzenreiter in Sachen Datenoffenheit sind Großbritannien, die USA und Schweden. Deutschland belegt in der internationalen Vergleichsstudie "Open Data Barometer" vom Herbst immerhin den neunten Platz. Das Gute an der Sache: Hier zeigt sich mal ein Datentrend, bei dem es nicht um verräterische, personenbezogene Aufzeichnungen geht, um Bevormundung per Big Data oder gar ums Aushorchen. Sondern um anonymisierte Statistik – nach dem alten Hacker-Motto "Private Daten schützen, öffentliche Daten nützen".