"Sechs Baustellen entlang der Buslinie 5 – kann man das nicht besser koordinieren?", fragt Sandra Coy aus Hoheluft.  In der Kolumne "Warum funktioniert das nicht?" beantwortet unser Kolumnist Mark Spörrle die Fragen der Leser.

Jeder Hamburger, der mit dem Auto zur Arbeit fährt, verplempert laut einer Studie des Navi-Herstellers TomTom 78 Stunden jährlich mit Im-Stau-Stehen und dem Hören von Staumeldungen. Manchmal tritt er auch gegen provokante Schilder ("Stau!") und schreit. Hamburg ist die deutsche Staustadt Nummer zwei, gleich hinter Stuttgart. Das liegt in einem Kessel, in dem sich der Verkehr fast von allein fängt. Um ähnliche Effekte zu erzielen, hat Hamburg auf eine Autobahnumgehung verzichtet, den öffentlichen Nahverkehr vernachlässigt, alle großen Straßen durch die City geleitet und sie dann verkommen lassen. Doch nun investiert der Senat – in Straßenrenovierungen und in ein umstrittenes Busbeschleunigungsprogramm. Das aber, barmen Stausteher, Anwohner und Wahlkämpfer, wird der nackte Stauhorror! Allein längs der Buslinie 5: Niendorf Markt, Niendorfer Straße, Brunsberg, Grindelallee, bald kommt der Gänsemarkt dazu, und am Nedderfeld wird auch noch gebuddelt – sechs Baustellen in Summe!

Kann man die Baustellen denn nicht besser koordinieren? Oder steckt dahinter das perfide Ziel, Stuttgart als Stauhauptstadt zu toppen?

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Die gute Nachricht: Es gibt in der Innenbehörde eine Abteilung, auf die man stolz ist, denn sie versucht, staugefährliche Ballungen von Baustellen zu vermeiden. Noch mehr Stolz wäre angebracht, wenn diese Stelle für alle Baustellen zuständig wäre, nicht nur für die an Hauptverkehrsstraßen, und wenn sie nicht nur Empfehlungen geben dürfte. Aber, richtet Innenbehördensprecherin Helma Krstanoski aus, die Baustellen des Busbeschleunigungssystems produzierten gar keinen Stau. "Der Verkehr fließt trotzdem."

Liebe Autofahrer: Jetzt nicht aufregen! Es gibt höchst unterschiedliche Definitionen davon, wann Verkehr noch fließt und wann nicht mehr. Auf Schweizer Autobahnen herrscht "Stau", wenn die Geschwindigkeit unter 10 km/h fällt. Auf deutschen dagegen muss der Verkehr "temporär zum Erliegen" kommen. In Hamburg handelt es sich offenbar so lange nicht um "Stau", wie Fahrer nicht aussteigen, um Bier oder bewusstseinserweiternde Drogen zu kaufen. Wem das nicht gefällt, der kann Fahrrad oder öffentlich fahren. Oder eben leider nicht.