Umringt von Dragqueens und Hipsters, hat Jewgeni Lebedew vor ein paar Tagen sein neuestes Mediengeschäft gefeiert: den TV-Sender London Live. Die Eröffnungsparty fand in den Büros des Senders statt, also im überaus bürgerlichen Stadtteil Kensington, nicht weit vom Kensington Palace entfernt, wo das Kronprinzenpaar William und Kate lebt. Aber das Publikum von London Live sollen eben nicht die Etablierten, nicht die Reichen und Mächtigen sein. London Live ist ein Sender für die YouTube-Generation. Seit dem vergangenen Montag sendet er 24 Stunden am Tag Musik, Unterhaltung, Dokumentationen und Nachrichten – eben für die 16- bis 34-Jährigen, "die London ihre kulturelle Vielseitigkeit und Dynamik verleihen", sagt Lebedew.

Die Zuschauer sollen das Programm künftig mitgestalten, junge Talenten eine Plattform bekommen. London Live ist, wenn man so will, ein typisches Lebedew-Konzept. Denn anstatt London nur als großes Kaufhaus zu benutzen, wie es Oligarchen typischerweise tun, investieren die Lebedews 45 Millionen Pfund in ein Medienunternehmen, das tief in die Stadt eintaucht. Wenn das Experiment gelingt, erwirtschaftet der Sender durch Werbeeinnahmen in einigen Jahren bis zu 25 Millionen Pfund Umsatz (mehr als 30 Millionen Euro). So weit der Plan.

Beim Sendestart selbst war der junge Lebedew nicht zugegen – und auch sein Vater ließ sich nicht blicken. Es ist, als wollten die beiden wieder einmal bekräftigen, dass sie zwar die Eigentümer sind, sich aber nicht einmischen, wie so viele andere Oligarchen, die sich in Russland oder anderswo ein Medienunternehmen halten.

Darüber hinaus meidet besonders Vater Alexander seit einem Jahr die Öffentlichkeit sehr konsequent. Damals wurde er in Moskau verurteilt, weil er den Bauunternehmer Sergej Polonski während einer Fernsehsendung vor laufenden Kameras mit gezielten Fausthieben zu Boden gestreckt hatte. Ihm drohten fünf Jahre Haft, doch überraschenderweise verurteilte der Richter Alexander Lebedew schließlich lediglich zu 150 Stunden gemeinnütziger Arbeit.