Wer sagt in Firmen noch offen seine Meinung? Mitarbeiter halten den Mund, weil sie fürchten, dass ihnen jedes kritische Wort wie ein Bumerang um die Ohren fliegt. Wichtige Informationen, sofern sie kritisch sind, halten sie zurück, um ihrer Karriere nicht zu schaden. Und Manager kleiden ihre Meinung in so schwammige Worte, dass man einen Dolmetscher brauchte, um sie zu verstehen. Schlechte Nachrichten und Kritik verpacken sie kunstvoll mit rhetorischen Schleifen, wie sie es auf dem letzten Seminar gelernt haben. Nie weiß ein Mitarbeiter, ob das scheinbare Lob seines Chefs nicht doch eine heimliche Kritik ist.

Zum Beispiel sagt der Vorgesetzte nach einer Präsentation: "Ihre Folien waren sehr gut." Vielleicht meint er damit: Alles andere war miserabel! Oder: Sie haben zu viele Folien verwendet! Oder meint er tatsächlich nur das, was er sagt? Keine Ahnung! Ähnlich sieht es bei Nachrichten zur Firma aus. Ist die Fusion nun der große Wurf in die Zukunft, wie behauptet wird? Oder ist sie der verzweifelte Griff nach einem Rettungsring? Sind die guten Quartalszahlen ein Hinweis, dass die Geschäfte brummen? Oder zeugen sie nur davon, dass die Verluste ein Stück nach hinten verschoben wurden?

Mit Schopenhauer möchte man rufen: "Sagen wir die Wahrheit!" Mehr Ehrlichkeit, mehr Transparenz, mehr Geradlinigkeit – die meisten Firmen könnten davon profitieren. Ein SOS-Ruf kann Kräfte mobilisieren; Schönfärberei kann es nicht. Eine konstruktive Kritik spornt Mitarbeiter an, sich zu entwickeln. Und ein Management, das zu kritischen Rückmeldungen einlädt, ist schlauer als jene Affen im Anzug, die nichts sehen, nichts hören und nichts sagen wollen.

Eine Firma, die sich entwickeln will, muss erst mal den Status quo erkennen und benennen. Wer sich dagegen in einem wabernden Nebel aus Schwindeleien und Schönfärbereien bewegt, tastet immer nur nach den Fakten – statt diese durch Taten positiv zu beeinflussen.

Offenheit in Firmen sorgt dafür, dass Debatten angestoßen, Meinungen berücksichtigt und bessere Entscheidungen gefällt werden. So manches Problem, das schnell und ehrlich angesprochen wird, lässt sich schnell und geradlinig lösen. Geleugnete Probleme dagegen schwellen oft zu einer Größe an, die sie der Lösbarkeit entzieht.