Stierkampf und Flamenco, feurige Augen und heißes Blut. "Das Stereotyp des Andalusiers (und der Andalusierin!) hat so viele Jahrhunderte hindurch die Fantasien der übrigen Welt beherrscht, dass der moderne spanische Autonomiestaat kaum dagegen ankommt", schreibt Paul Ingendaay.

Doch statt die arg strapazierten Bilder kritisch zu betrachten, würdigt er die Vorzüge der Klischees. Sie weckten Neugier und unterstützten die Tourismusindustrie, denn "Andalusier besitzen das ideale Temperament für ein Volk, das sich schon so lange und so ausführlich bestaunen lässt". Der Autor muss es wissen: Er lebt seit 1998 als Kulturkorrespondent der FAZ in Madrid und verfasste bereits eine Gebrauchsanweisung für Spanien, in der er sich als "rettungs- und bedingungslos" hispanophil outete.

Folglich deutet Ingendaay das berühmt-berüchtigte mañana auch nicht als Zeichen von Trägheit und Organisationsschwäche, sondern als "den andalusischen Sinn für die gelebte Gegenwart". Schon weil die Alhambra in Granada mehr Besucher zähle als der Prado, sei Andalusien eine selbstbewusste Region. Und zudem eine, die zwischen Sierra Nevada und den sonnigen Küsten so viele Variationen von Landschaft biete, dass man dort "zwanzig Arten von Urlaub machen kann". Ingendaay besingt aber nicht nur Korkeichenwälder und Dorfgemeinschaft, Olivenhain und Osterprozession, Schneegipfel und Badebuchten, Sherry und Schweineschinken oder mit der Moschee von Córdoba den bedeutendsten Sakralbau arabischer Kultur in Europa. Der Autor beschreibt auch, wie obszöner Reichtum und extreme Armut den Süden Spaniens prägen. Kenntnisreich, einfühlsam und humorvoll nimmt er die Eigenheiten der Andalusier unter die Lupe – sei es das verbarrikadierte Wohnen oder der Spaß am Spektakel. Eine Gebrauchsanweisung von hohem Gebrauchswert!