Die Frage: Mara und Jakob sind seit zwei Jahren zusammen. Jakob ist Lehrer, Mara schreibt Drehbücher. Ihn fasziniert ihr kreatives, aber auch unruhiges Leben; Mara findet Jakob manchmal etwas spießig, ist aber froh um den Halt, den er ihr gibt. Sie braucht ihn gegenwärtig besonders, denn ihr jüngstes Projekt, in das sie große Hoffnungen gesetzt hat, ist von der Produktionsfirma abgelehnt worden. Mara vergräbt sich in ihren Kummer und will nicht zu einer Einladung von Freunden, auf deren Geburtstagsparty sie sich kennengelernt hatten. "Geh nur alleine hin", sagt sie. Jakob hätte sie lieber dabei, aber er will sie nicht zwingen. Als er spät und angeheitert nach Hause kommt, findet er eine vorwurfsvolle Freundin vor: "Du hast mich allein gelassen!"

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Wolfgang Schmidbauer antwortet: Mara ist einem Irrtum erlegen, der sich oft bei Menschen beobachten lässt, die an sozialen Ängsten leiden. Sie denken, es sei für sie das Beste, sich zurückzuziehen und zu warten, bis ihr unerfreulicher Seelenzustand verschwindet. Manchmal erwarten sie auch von ihren Liebespartnern, dass diese sich zusammen mit ihnen in ihre dunkle Höhle setzen. Aber mehr noch als beim Essen kommt in sozialen Dingen der Appetit mit der Tätigkeit: Wer müde und lustlos Freunde besucht, ist nachher oft erheblich besser drauf. Jakob sollte Mara mit sanftem Nachdruck aus ihrem Rückzug locken und sie dazu bringen, sich auch dann kontaktfähig zu fühlen, wenn sie nicht super drauf ist. Und er sollte sich natürlich nicht von ihr abhalten lassen, selbst unter Menschen zu gehen.