Was bedeutet eigentlich Deflation?

Wer hat nicht schon erlebt, dass der Kaffee im Lieblingsrestaurant wieder einmal teurer geworden ist? Bei einer Deflation passiert genau das Gegenteil. Ob Kaffee, Fahrräder oder Schuhe – alles wird immer billiger. In vielen Ländern Europas ist das bereits Realität: In Spanien lagen die Preise im März um 0,2 Prozent unter ihrem Vorjahreswert, in Griechenland sogar um 1,1 Prozent.

In der Euro-Zone insgesamt steigen die Preise zwar noch – aber immer langsamer. Die Teuerungsrate im ganzen Währungsraum betrug zuletzt nur mehr 0,5 Prozent. Mit den Stabilitätsregeln der Währungsunion ist das nicht vereinbar. Der Auftrag der Europäischen Zentralbank (EZB) lautet, die durchschnittliche Inflationsrate mittelfristig bei knapp zwei Prozent zu halten. Nicht einmal im wirtschaftlich starken Deutschland wird dieses Ziel erreicht: Die Inflationsrate liegt derzeit bei einem Prozent.

Das Leben wird billiger. Wo liegt das Problem?

Für die Verbraucher hat eine Deflation durchaus angenehme Seiten. Wenn die Preise fallen, können sie für die gleiche Summe Geld mehr kaufen. Das Problem ist nur, dass die Haushalte in aller Regel nicht gleich viel Geld zur Verfügung haben. Denn wenn die Unternehmen ihre Preise senken müssen, müssen sie auch ihre Kosten drücken. Sonst machen sie Verluste. Das bedeutet: Sie bezahlen ihren Mitarbeitern niedrigere Löhne.

Wer Kredite aufgenommen hat, kann dadurch in große Schwierigkeiten kommen. Sinken ihre Löhne, müssen Schuldner aus einem rückläufigen Einkommen eine unverändert hohe Schuldenlast bedienen. Viele sind dazu nicht in der Lage, weshalb sich in einer Deflation die Pleiten häufen. Das zieht die Wirtschaft weiter nach unten und zwingt die Unternehmen zum Stellenabbau. Es droht eine Abwärtsspirale aus fallenden Preisen und sinkenden Löhnen.

Besonders gefährlich wird die Angelegenheit, wenn es sich wie derzeit in der Euro-Zone bei den Schuldnern um Staaten handelt. Denn auch sie geraten in Probleme, wenn alles billiger wird und damit auch die Steuereinnahmen schrumpfen. Deshalb fürchten die für die Stabilität des Geldwerts zuständigen Notenbanken in der Regel eine zu niedrige Inflation ebenso sehr wie eine zu hohe.

Hieß es nicht, die Krise sei endlich vorbei?

Tatsächlich geht es in Europa erstmals seit Langem wieder aufwärts. Unternehmer und Verbraucher blicken zuversichtlicher in die Zukunft, die Wirtschaftsleistung schrumpft nicht mehr. Irland und Spanien sind nicht mehr auf Hilfskredite aus dem europäischen Rettungsfonds angewiesen, im Mai könnte Portugal der Ausstieg aus dem Hilfsprogramm gelingen, und selbst Griechenland will sich wieder bei privaten Investoren mit frischem Geld versorgen.

Bislang arbeiten sich die meisten angeschlagenen Staaten jedoch nur sehr langsam aus der Krise. Insbesondere die Arbeitslosigkeit ist vielerorts immer noch sehr hoch. Das bedeutet: Die Löhne steigen kaum oder fallen sogar – und deshalb können die Unternehmen auch ihre Preise nicht erhöhen. Die Inflationsrate geht zurück.

Das muss nicht nur schlecht sein. Um international wieder konkurrenzfähig zu werden, müssen die Firmen in den Südstaaten ihre Kosten in den Griff bekommen. Deshalb ist es sogar nötig, dass die Preise dort vorerst nicht so schnell steigen.