ZEITmagazin: Herr Riemelt, Sie sind leidenschaftlicher Kickboxer. Wie haben Sie diesen Sport für sich entdeckt?

Max Riemelt: Durch meinen Onkel, der seit Jahrzehnten Trainer in einem Verein war. Es war am Anfang erst mal Gucken und Lernen. Aber dann habe ich mich schnell entschieden, das sehr ernst zu nehmen und es sehr regelmäßig zu machen, um auch etwas zu erreichen. Ich bin dann zum Wettkampfsport übergegangen.

ZEITmagazin: Wie alt waren Sie da?

Riemelt: Ich war 17, und ich hatte damals Schwierigkeiten, mich zu orientieren. Unterbewusst war mir wohl klar: Irgendwas fehlt. Irgendwas brauche ich noch, damit ich das Loch füllen kann. Als Jugendlicher hat man ganz viel Energie, die man teilweise verpulvert an Nonsens, an Computerspiele oder so was. Diese Energie konnte ich perfekt beim Kickboxen anwenden. Das körperliche Auspowern gab mir eine tiefe innere Befriedigung.

ZEITmagazin: Seit Sie 13 waren, standen Sie bereits vor der Kamera.

Riemelt: Und wenn ich von den Dreharbeiten zurückkehrte in den Alltag der Schule, fiel ich immer in ein Loch. Da fehlte eine Struktur, die mir Halt gab. Wenn man einen Film drehen und mit Erwachsenen zusammenarbeiten darf, die einem sehr wohlgesinnt sind und einem viel Respekt entgegenbringen, ist das für einen jungen Menschen nicht leicht, damit umzugehen und es richtig einzuordnen.

ZEITmagazin: Sie bekamen viel Aufmerksamkeit.

Riemelt: Und plötzlich war die weg, sobald ich wieder in der Schule saß. Da waren wieder die normalen Autoritäten, die möglichst nur eines wollen: dass man gut funktioniert, dass man der ruhige Max ist.

ZEITmagazin: Der Erfolg machte Sie unruhig?

Riemelt: Nein, es war nicht der Erfolg, es war der Kontrast zum Schulalltag, es war dieses Leben, das jeden Tag eine neue Herausforderung brachte. Ich hatte immer interessante Menschen um mich.

ZEITmagazin: Sie wurden verwöhnt von der Erlebnisdichte.

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Riemelt: Verwöhnt, aber auch sehr gefordert – auf eine positive Art. In der Schule war alles immer eher so ein Vorgang der Bewältigung: Wenn du das schaffst, kommst du weiter, und jeder lässt dich in Ruhe.

ZEITmagazin: Gab es jemanden, der Ihnen geholfen hat, diesen Spagat zwischen zwei Welten hinzukriegen?

Riemelt: Ich habe sehr viel durch eine Kinderbetreuerin lernen dürfen, die ich damals bei Dreharbeiten hatte. Bis ich 18 war, braucht man einen Kinderbetreuer. Jemand, der auf einen guckt, wenn man unterwegs ist. Meine Kinderbetreuerin war auch mein Draht zum Team. Sie hat mir sehr früh erzählt, was die anderen über mich denken und sagen. Auf diese Weise habe ich ein Bewusstsein dafür bekommen, dass man nicht flapsig daherreden sollte. Dass die Dinge nur dann wie geschmiert laufen, wenn man höflich ist.