Dass Tilda Swinton auf der Leinwand zu jeder Welle und Delle ihres alabasterweißen Körpers steht, wissen wir spätestens seit dem Thriller Michael Clayton (2007), in dem sie sich als skrupellose Juristin halb nackt im Spiegel betrachtete. Noch radikaler, in einer Art generationeller Übersprungshandlung, wechselte Swinton nun in ihren letzten beiden Filmen ratzfatz vom Register der mittelalten Frau in das der exzentrischen Alten: In Wes Andersons Grand Budapest Hotel spielt sie die 84-jährige Gräfin Céline Villeneuve Desgoffe und Taxis, die nach Aussage des Chefpagen eine absolute Granate im Bett sein muss. 

Auch in dem Science-Fiction Snowpiercer fügt sich Swinton als großmütterliche Zuchtmeisterin nahtlos in die durchgeknallte Handlung: Nach dem gescheiterten Kampf gegen die Erderwärmung ist die Welt von Schnee und Eis bedeckt. Die einzigen Überlebenden rasen in einem Schnellzug rund um die Erde. Hinten im Zug leben die Armen und "Schmarotzer", vorne, in der "Maschine", lebt die Elite in Saus und Braus. Swinton spielt Mason, eine Art Generalsekretärin der Unterdrückung, die Aufständischen auch mal die Arme durch Vereisung amputiert. Der Film des genialischen Regisseurs Bong Joon-ho, der mit dem Horrorfilm The Host weltberühmt wurde, ist in vielerlei Hinsicht visionär. Und in Swintons Figur verschmilzt die spätkapitalistische Klassengesellschaft mit dem einzig möglichen Motto der Rentnergesellschaft: Bloß nicht in Würde altern!