Verantwortung musste die Erstgeborene schon früh übernehmen. Nicht nur für die drei kleineren Geschwister, während der Abwesenheit der Eltern verwaltete sie schon die Haushaltskasse, als sie gerade erst rechnen lernte. Abwesend waren die Eltern meist. "Ich sah meinen Vater ebenso oft auf den Titelseiten der Zeitungen wie zu Hause", schrieb sie später. Doch war er da, erzählte er wunderbare Familiengeschichten und malte eine noch großartigere Zukunft aus. Ihre Mutter war zwar ungewöhnlich eigenständig, doch von ihr lernte sie beten und was die Traditionen verlangten. Als sie ihr mit zehn zum ersten Mal die Burka überzog, war sie stolz: Es war die Initiation in die Erwachsenenwelt. Doch wie enttäuscht war sie, als sie die Welt nur noch als gräuliche Schatten sehen konnte, beim Gehen behindert wurde und ihr der Schweiß über das Gesicht lief. Und wie erleichtert, als der Vater entschied, sie brauche sie nicht zu tragen. Wichtiger seien Bildung und ein guter Charakter. So wurde sie auf die besten Schulen geschickt und schließlich zum Studium an Eliteuniversitäten im Ausland.

Jahre später kehrte sie zurück, bereit, in den diplomatischen Dienst einzutreten. Doch stand ihre Welt auf dem Kopf: Der herrliche Vater kam unter Mordanklage ins Gefängnis, sie mit der Mutter in Hausarrest. Seine Hinrichtung konnte sie nicht verhindern, doch seine Ideen, schwor sie ihm, würden mit ihr weiterleben. Um sie zu verkünden, reiste sie durchs Land, immer wieder mundtot gemacht durch Arrest und Haft unter unwürdigsten Bedingungen. Nach einer OP im Ausland durfte sie nicht zurück, erst nach Jahren des Exils konnte sie heimkehren – eine von ungeheuren Massen umjubelte Lichtgestalt. Die Feierlichkeiten für ihre arrangierte Ehe fanden in einem Stadion statt. Die Wahlen im folgenden Jahr legte ihr Gegner auf den Geburtstag ihres ersten Kindes, doch sie trickste ihn mit einem falschen Termin aus – und gewann. Der Triumph hielt nicht lange an: Ihrer blendenden Rhetorik folgten zu wenige konkrete Maßnahmen. Doch unverdrossen kämpfte sie um die Macht. Noch einmal wurde sie ins Exil gezwungen. Als sie wiederkehrte, wurde sie umgebracht, wie ihr Vater und ihre beiden Brüder vor ihr. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 14:

Ina Müller, 48, wuchs als vierte von fünf Töchtern auf. Sie arbeitete zehn Jahre lang als Pharmazeutische Assistentin, bevor sie 1994 mit Edda Schnittgart das Kabarett-Duo "Queen Bee" gründete. Seit 2007 moderiert sie die u. a. mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Late-Night-Show "Inas Nacht"