Hält, was er zu halten verspricht: Gürtel von Bottega Veneta, 600 Euro © Peter Langer

Der Gürtel wird gemeinhin als Accessoire geführt. Als etwas, womit man den persönlichen Stil abrunden kann. Doch damit wird man dem Gürtel nicht gerecht. Denn in Wirklichkeit geht ohne ihn nichts, und es hält auch nichts.

Ein Gürtel war früher das Detail, welches ein Kleidungsstück zum Kleidungsstück machte. Ohne Gürtel war Kleidung ein Lappen ohne Form. Nur was zusammengegurtet war, konnte man überhaupt tragen. Schon in der Bronzezeit wurde am Gürtel alles befestigt, was der Mann zum Leben brauchte – von Werkzeugen bis hin zu Waffen. Auch Frauen trugen ihre Wertsachen am Gürtel, es gab ja keine Taschen. So wichtig war der Gürtel für die Persönlichkeit, dass man ihn zuweilen sogar mit ihr gleichsetzte: Bei den Franken glaubte man, einen Gegner dann geschlagen zu haben, wenn man seinen Gürtel berührte. In den Nibelungen bezwingt Siegfried die unbesiegbare Brunhild, indem er ihr den Gürtel entreißt.

In Grimms Märchen Das tapfere Schneiderlein schreibt sich der Schneider seine Heldentat, sieben Fliegen auf einen Streich erschlagen zu haben, auf den Gürtel. Gürtel gaben Auskunft über Ränge und Auszeichnungen. Später übernahmen Schulterklappen und Ordensbänder die Aufgabe, ihren Träger angemessen zu repräsentieren. Der Gürtel hatte nunmehr nur noch die Funktion, die Hose zu halten.

Alle Kolumnen von Tillmann Prüfer im Überblick

Und jetzt erlebt er sein Comeback als Botschafter: So zeigte Lanvin schon im vergangenen Herbst auffällige Schnallen mit Love- oder Help-Schriftzug. Auch in der aktuellen Frühjahrsmode spielt der Gürtel eine herausragende Rolle – sowohl in schmaler als auch in breiter Ausführung, mit Schnalle und ohne, aus Leder oder Stoff. Die meisten Gürtel werden als Taillengürtel eingesetzt, beispielsweise bei Michael Kors. Bei Elie Saab ist der Gürtel so unauffällig, dass man ihn kaum erkennt, bei Emanuel Ungaro wird er geknotet, und bei Bottega Veneta glänzt seine Schnalle. Immer wirkt er, als habe man sich viele Gedanken um ihn gemacht. So haben das übrigens auch die Männer im 18. Jahrhundert getan. Damals war nämlich beim Militär der Taillengurt groß in Mode. Die Offiziere schnallten den Gürtel enger, um kräftiger zu wirken. Der Gürtel betonte gewissermaßen ihre Kurven. Die gehören dringend für die Mode wiederentdeckt.