Stoppt die Profitgier!", so steht es auf einem Plakat. Auf einem anderen heißt es: "Eure Gier frisst unsere Renten." Daneben ist eine Hand abgebildet, die einen Kranich erwürgt, das Wappentier der Lufthansa. Mit diesen Schildern wollen die Piloten der Lufthansa ab Mittwoch demonstrieren gehen. Beim größten Pilotenstreik der vergangenen Jahre. Fast 4.000 Flüge sollen ausfallen, mehr als 400.000 Passagiere müssen sehen, wie sie auf einem anderen Weg zum Geschäftstermin kommen oder in den Urlaub. Bei der Lufthansa geht nichts mehr. Mal wieder.

Versteht noch jemand, warum im Flugverkehr dauernd gestreikt wird? Die Piloten sagen, weil ihr Arbeitgeber gierig sei. Ihr Arbeitgeber gibt den Vorwurf nur allzu gern an die Piloten zurück. Schließlich streitet da eine Berufsgruppe mit linken Parolen, die am Karriereende 255.000 Euro im Jahr verdient. Und die jetzt noch mal zehn Prozent mehr Gehalt verlangt.

Das Opfer des Streits sind Hunderttausende Reisende, die ihre Pläne über den Haufen werfen müssen und ihr Ziel nur über Umwege oder gar nicht erreichen. 

Muss dieser Streik sein? Ist eine der beiden Seiten tatsächlich zu gierig? Oder geht das Problem weit über die Lufthansa hinaus – schließlich häufen sich die Streiks. Gerade kleine Berufsgruppen versuchen, ihre Macht zu demonstrieren.

Bei der Lufthansa ist es jetzt die Vereinigung Cockpit. Eine Gewerkschaft, die nur für die 5.400 Piloten im Konzern kämpft. Weil jedoch auch die Kabinenbesatzung, die Sicherheitsdienste und die Gepäckträger eigene Tarifverträge haben, ist in diesen Wochen dauernd Streik. Vor wenigen Tagen erst legten Hunderte von Mitarbeitern an deutschen Flughäfen die Arbeit nieder, weil ver.di sie zum Warnstreik im öffentlichen Dienst aufgefordert hatte. Rund 600 Flüge mit vielen Tausend Passagieren fielen aus. Kurz davor, im Februar, hatten die Angestellten privater Sicherheitsdienste den Frankfurter Flughafen lahmgelegt. Das Gedränge an den Sicherheitsschleusen war so chaotisch, dass die Polizei den Zugang komplett sperren musste. Rund 37.000 Passagiere blieben am Boden. Und nun droht ein noch größerer Streik. Irgendwer geht offenbar immer in den Ausstand.

Wenn es nicht das Wetter ist, das die Maschinen am Boden hält, Eis, Vulkanasche, ein Orkan oder irgendein technischer Defekt, dann ist es ein Arbeitskampf. Schon die Drohung reicht ja aus, um den Flugverkehr durcheinanderzuwirbeln, weil die Airlines früh umplanen.

Bei der Lufthansa sei bereits am Montagmittag der Point of no Return überschritten gewesen, wie Chefpilot Werner Knorr sagt. Da entschied die Lufthansa, bis auf wenige Ausnahmen den Flugbetrieb einzustellen. Gerade einmal 25 Interkontinentalflüge sind bis Freitag möglich, an normalen Tagen sind 145 ab Frankfurt und München im Flugplan. Auf 140 Piloten, die vor allem im Management der Lufthansa sitzen und jetzt als Streikbrecher aushelfen, kann das Unternehmen noch zurückgreifen. Normalerweise sind pro Tag 1.500 im Einsatz. Daher die drastischen Ausfälle.

So viel Chaos, und dann sagt Jörg Handwerg, Vorstandsmitglied der Vereinigung Cockpit, diesen Satz: "Uns geht es nicht um mehr Geld!" Die Piloten hätten "niemals" zu diesem drastischen Streikmittel gegriffen, um "ein paar Prozente mehr Gehalt rauszuschlagen", beteuert er. Vielmehr wolle man einen Kulturwandel zurückdrehen.