Tatsächlich geht es diesmal nicht nur um Löhne. Aber um Geld geht es doch, vor allem um die Übergangsversorgung. So bezeichnet das Unternehmen eine Art Ersatzlohn, den jeder Mitarbeiter erhält, wenn er vorzeitig aus dem Unternehmen ausscheiden möchte. Bisher zahlte die Lufthansa bis zu 60 Prozent der letzten Bruttobezüge, wenn Mitarbeiter verfrüht in Rente gehen – und schickt seine Piloten mit 60 in Zwangsrente. Dagegen klagten einige Piloten vor dem Europäischen Gerichtshof und bekamen recht. Das ist eine willkommene Gelegenheit für die Spitze, um Kosten zu sparen: Schluss mit dem Anspruch auf Übergangsversorgung, jeder Pilot könne künftig bis 65 Jahre fliegen, sagt der Vorstand. Rund 150 Millionen Euro könnte das Unternehmen auf diese Weise sparen – die gesamten Pensionsverpflichtungen addierten sich auf rund elf Milliarden Euro. "Die Vereinigung Cockpit will das heutige System bis in alle Ewigkeit fortschreiben", schimpft der für die Piloten zuständige Topmanager Werner Knorr.

So geht es hin und her zwischen beiden Seiten. "Der Vorstand greift das soziale Gefüge im Unternehmen an", sagt Knorrs Gegner Handwerg. Die Gewerkschaft verweist darauf, dass die Vorstandsgehälter im vergangenen Jahrzehnt um 100 Prozent erhöht worden seien. Das stimmt, aber der Chef der Lufthansa verdiente zuletzt schlechter als andere Dax-Chefs und verzichtete jüngst auf fünf Prozent seines Gehalts.

Kein Argument ohne Konter: Die Gewerkschaft sagt, dass andere Mitarbeiter in den vergangenen Jahren höhere Lohnabschlüsse erzielt hätten. Der Konzern hält dagegen, dass die Piloten automatisch mit jedem Berufsjahr drei Prozent mehr Gehalt bekämen. Man spürt, wie sehr die dauernden Auseinandersetzungen an den Machern zehren – und das nicht nur innerhalb der Lufthansa.

Die dauernde Streikgefahr sei ein Problem für die gesamte Wirtschaft, sagt die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände. Zu oft legten miteinander konkurrierende Gewerkschaften große Unternehmen lahm.

Seit einigen Jahren wird deshalb schon über neue Gesetze diskutiert. Und die Bundesregierung hat in ihrem Koalitionsvertrag sogar Abhilfe versprochen: Per Gesetz werde sie das Prinzip der Tarifeinheit in den Betrieben verankern. Dann, so der Gedanke, hätte im Streitfall der Tarifvertrag Vorrang, den die Gewerkschaft mit den meisten Mitgliedern schließt – also eher ver.di als Cockpit. Während der Laufzeit dieses Tarifvertrages dürften die Mitarbeiter nicht streiken, für alle gelte die Friedenspflicht.

Vor drei Jahren verlangten bereits die Arbeitgeberverbände in seltener Eintracht mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund eine solche Regelung. Jetzt will die Gewerkschaft ver.di aber nicht mehr.

Grund genug für die Arbeitgeber, noch lauter Alarm zu rufen. Die Bundesvereinigung warnt schon vor "englischen Verhältnissen". Im Vereinigten Königreich hätten früher mehr als 600 Kleinstgewerkschaften mit ständigen Streikaufrufen die Wirtschaft ruiniert. Diese Gefahr drohe nun auch in Deutschland.

Im Jahr 2010 verwarf das Bundesarbeitsgericht den Grundsatz der Tarifeinheit, der zwar nicht gesetzlich verankert war, aber in der Rechtsprechung bis dahin angewandt wurde. Seither, so die Arbeitgeber, hätten sich schon mehrere Gewerkschaften neu gebildet, etwa die Deutsche Feuerwehr-Gewerkschaft, die Neue Assekuranz Gewerkschaft für Versicherungsangestellte oder die Technik Gewerkschaft Luftfahrt. Ein Ende dieses Trends sei nicht in Sicht.