Am liebsten träume ich daheim in meinem eigenen Bett: Einfach hinlegen und vor dem Einschlafen noch ein bisschen aus dem Fenster gucken – mehr brauche ich nicht. Manchmal nehme ich mir vor, ein Buch zu lesen, aber meistens fallen mir nach zwei, drei Seiten die Augen zu. Und das hat nichts mit der Qualität der Geschichte zu tun. Ich hatte noch nie Probleme mit dem Einschlafen.

Es gab allerdings mal eine Phase, in der ich sehr unruhig geträumt habe, das ist einige Jahre her. Ich war damals gerade in meine erste eigene Wohnung gezogen. Um mich abends nicht so allein zu fühlen, schaltete ich den Fernseher an und ließ ihn laufen. Und laufen. Und laufen. Das Programm war mir egal, es ging eher darum, mich abzulenken, die Stille zu übertönen. Der Bildschirm flackerte bis tief in die Nacht, egal wie schlimm der Quatsch war, der um diese Uhrzeit noch gezeigt wurde. Ich lag in meinem Bett, eigentlich komplett müde, konnte mich aber nicht dazu aufraffen, das Gerät auszuschalten. Natürlich nickte ich zwischendurch immer wieder ein. Und sah dann in meinen Träumen jene kaputten Gestalten, die vorher auf der Mattscheibe zu sehen waren. So ging das Abend für Abend, Nacht für Nacht. Eine ganze Weile.

Heute besitze ich keinen Fernseher mehr. Aus Selbstschutz, denn ich habe den Verdacht, dass ich der Versuchung nicht widerstehen könnte. Wenn ich auf Tour bin und in Hotels untergebracht werde, verfalle ich ganz schnell wieder in das alte Ritual: Ich komme abends in mein Zimmer, werfe mich aufs Bett und schalte den Fernseher an. Da ist es mir schon lieber, im Tourbus zu reisen. Tagsüber fehlt einem da zwar die Rückzugsmöglichkeit, aber abends ist es im Nightliner umso schöner. Nach ein, zwei Nächten habe ich mich an die Umgebung gewöhnt und fühle mich fast wie zu Hause. Meine Musiker schlafen direkt nebenan. Ich finde das sehr gemütlich. Bisschen wie Klassenfahrt.

Ich habe einen wiederkehrenden Traum, er hat mit meinem Freund zu tun und macht mich ziemlich ratlos. Es ist gerade etwas sehr Aufregendes passiert, und ich will ihm davon erzählen. Also greife ich zum Handy und fange an, seine Nummer zu wählen, bekomme sie aber einfach nicht zusammen. Eigentlich kenne ich sie auswendig, doch in dieser Situation stehe ich neben mir und kann mich nicht an sie erinnern. Immer wieder fange ich von vorn an zu wählen – und breche ab. Ich kann ihn einfach nicht erreichen, und das ist wirklich furchtbar.

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Tagsüber träume ich oft davon, in einer Gesellschaft zu leben, in der Homosexualität akzeptiert und toleriert wird. Das liegt nicht daran, dass das Thema in letzter Zeit im Zusammenhang mit den Winterspielen so viel diskutiert wurde – es ist für mich immer aktuell. Ich wundere mich, dass es immer noch für Aufruhr sorgt, wenn sich jemand zu seiner Sexualität bekennt. Ich muss mir dann bewusst machen, dass ich in einer besonderen Branche arbeite. In kreativen Kreisen kann man mit Homosexualität sehr offen umgehen. Aber das ist leider immer noch eine Ausnahme.

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