Der Walfänger hat kein gutes Image. Vom Heroismus eines Käpt’n Ahab ist im Zeitalter der industriellen Tierverwertung wenig geblieben. Verrohte Schlächter mit Harpune, denkt man, denen nun, da Japan keine Wale mehr fangen darf, niemand hinterhertrauert. Wie ungerecht! Denn tatsächlich waren die japanischen Walfänger – man muss sich an den Gedanken erst gewöhnen – Wissenschaftler. Nicht nur ein Beruf stirbt aus. Ein ganzer Zweig menschlichen Wissens verdorrt.

Die Japaner hatten das stets betont: Walfang ist Wissenschaft und dient dem besseren Verständnis unserer großen Mitgeschöpfe im Ozean. Und dass man das Fleisch der Tiere nicht einfach wegwarf, die da im Dienst der Wissenschaft ihr Leben ließen, sondern es verkaufte – das war eine Geste der Wertschätzung. Werfen wir also einen letzten Blick auf das aussterbende Genre der japanischen Walforschung.

Was wüssten wir zum Beispiel, ohne den Forschungseifer der Japaner, über Pubertät und Sexualität der Südlichen Zwergwale? Der Geburtsjahrgang 1945 wurde um das zwölfte Lebensjahr geschlechtsreif, die Generation der um 1970 herum geborenen Tiere hingegen schon im Alter von sieben Jahren. Ein faszinierender Trend, der womöglich unentdeckt geblieben wäre, wenn den japanischen Wissenschaftlern nicht unter Hunderten von Exemplaren jedes Jahr auch ein paar werdende Mütter vor die Harpune geraten wären. Für Feinschmecker ergaben sich nebenbei tiefe Einsichten in "Follikelgröße" sowie "Struktur und Steroidgenese der Plazenta", nachzulesen im Journal of Reproduction and Development. Wegweisend auch die Arbeiten zur Dicke der Walspeckschichten, die Rückschlüsse auf den Ernährungszustand der Tiere zulässt.

Der Internationale Gerichtshof, der dieser Forschung nun ein Ende gesetzt hat, warf den Japanern vor, sie hätten sich nicht ausreichend um nicht letale Methoden des Erkenntnisgewinns bemüht. Ein schwer nachvollziehbarer Einwand – wie hätten sie denn beispielsweise Gewicht und Zusammensetzung des Mageninhalts von Zwergwalen am lebenden Objekt bestimmen sollen?

Vor allem aber haben sich die japanischen jagenden Wissenschaftler wieder und wieder mit der Entwicklung der Walpopulationen beschäftigt. Es steht zu befürchten, dass das Ende dieser Forschung die Verhältnisse ändern wird, die ihr Gegenstand waren. Und wir werden es womöglich nie erfahren!