Als ich mit 14 Jahren John Grishams Buch Die Firma über den Nachwuchsanwalt Mitch McDeere verschlang, wollte ich Anwalt werden. Von Stundensätzen bis 500 Dollar pro Stunde war im Buch die Rede. Ich rechnete mir aus, dass die Herren in 60 Minuten so viel verdienen wie ich mit 80 Stunden Rasenmähen. Heute, nach sechs Jahren in Brüssel, weiß ich auch: Die großen Kanzleien haben ein todsicheres Geschäftsmodell.

Geht es aufwärts mit der Wirtschaft, helfen Anwälte zum Beispiel bei Fusionen und Übernahmen. In Brüssel sind ganze Hundertschaften damit ausgelastet – auf dass die Unternehmen die komplizierten Wettbewerbsregeln der EU einhalten. Noch besser verdienen die Kanzleien hingegen in der Krise, etwa wenn Banken sich mit Übernahmen übernommen haben. Bankenrettungen sind für die Branche, was Testosteron für einen 100-Meter-Läufer ist. Greift der Staat ein, dürfen keine Subventionen fließen, nur Beihilfen. Das klingt kompliziert, ist kompliziert – und etwas für teure Anwälte, natürlich.

Aber selbst das kann noch getoppt werden. In ihrer Studie Profiting from Crisis berichtet die Brüsseler Nichtregierungsorganisation Corporate Europe Observatory, wie viel britische und amerikanische Anwaltskanzleien daran verdienen, Investoren gegen Staaten zu vertreten, die in Zahlungsnot geraten sind. Die Kläger ziehen vor (umstrittene) Schiedsgerichte und fordern Schadensersatz – wenn, wie im Fall Zypern, Gläubiger für die Rettung von Banken zur Kasse gebeten wurden. Allein gegen Zypern liegen offenbar Klagen über rund eine Milliarde Euro vor. Im Fall Spanien sind es 700 Millionen Euro.

Wenn ich mich recht entsinne, sind einige Staaten auch deswegen in Zahlungsschwierigkeiten, weil sie Banken retten mussten. Ein paar Juristen haben aber sicher längst gute Gründe gefunden, warum das alles gar nicht stimmt.