Bengt Holst, der Zoodirektor von Kopenhagen, hat kein Glück. Im Februar ließ er eine Giraffe schlachten und an die Löwen verfüttern. Er bekam Morddrohungen empörter Tierfreunde und verteidigte sich mit dem Argument, die Giraffe sei überzählig gewesen. Hätte stattdessen, so fragte er, besser eine Kuh dran glauben sollen? Jetzt hat der Direktor die Löwen töten lassen, weil sie zu alt gewesen seien. Dumm ist nur, dass Giraffen Vegetarier sind und ein gerechter Ausgleich somit unterblieb. Generell wird man sagen müssen, dass die Natur nicht der Ort der Gerechtigkeit ist. Genau das hatte Bengt Holst seinen Gästen vorführen wollen, das Gesetz vom Fressen und Gefressenwerden. Unsere zartbesaiteten Tierfreunde jedoch hätten es gern, dass es in der Welt der Tiere weniger grausam zugehe als in der Welt der Menschen. In Deutschland jedenfalls, darauf macht Heiner Klös, der stellvertretende Chef des Berliner Zoos, aufmerksam, hätte die Verfütterung der Giraffe gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Es ist ja so, dass die Deutschen sehr sensibel sind, was Tiere anbelangt, besonders dann, wenn es um Tiere geht, aus denen man keine Grillwürste zu machen pflegt.

Die zoologischen Gärten stammen noch aus der alten herzlosen Zeit, als man das Kalb mit den zwei Köpfen bestaunte und Eingeborene im Lendenschurz. Carl Hagenbeck (1844 bis 1913) war der größte Tierhändler seiner Zeit. Von seinen Expeditionen brachte er wilde Tiere mit und veranstaltete Tierschauen, übrigens auch Völkerschauen. Heute bieten die Tiersendungen im Fernsehen eine Anschaulichkeit, die kein Zoo erreicht, und wer auf lebendem Fleisch besteht, kann leicht eine Safari buchen. Der Zoo also hat seine Schuldigkeit getan, aus Bildungsgründen wird er nicht länger gebraucht. Die Zoodirektoren jedoch sind stolz darauf, dass sie seltene Tiere züchten können. Dafür allerdings müssen sie die überflüssigen töten dürfen. Sie sollten das stillschweigend tun, damit keiner es merkt. Irgendwann vielleicht werden die Bewohner der einst exotischen Landstriche kommen und in unseren Zoos die Tiere bewundern, die einst bei ihnen lebten.