Im Fokus stehen diesmal Geschäfte mit Griechenland. Um lukrative Aufträge für Kriegsschiffe und Panzer zu bekommen, sollen griechische Beschuldigte im Auftrag deutscher Firmen mehrere Verantwortliche bei der Armee und im Verteidigungsministerium geschmiert haben. Die Ermittler sind auf ein gigantisches Bestechungssystem gestoßen. Und immer wieder fallen die Namen der größten deutschen Rüstungsfabrikanten. Staatsanwälte in München und Bremen sind bereits involviert.

Griechenland gehört seit Jahrzehnten zu den besten Kunden der deutschen Rüstungsindustrie. Die Regierung in Athen bestellte Kampfpanzer, Haubitzen und U-Boote in der Bundesrepublik. Die Rüstungshersteller setzten sich gegen harte Konkurrenz aus dem Ausland durch. Stolz verwiesen deren Vertreter auf die Qualität der Waffen "made in Germany". Doch nicht nur die Leistung des deutschen Kriegsgeräts soll die griechischen Einkäufer bewogen haben, in der Bundesrepublik zu bestellen. Der frühere griechische Verteidigungsminister Akis Tsochatzopoulos sitzt seit Oktober 2013 wegen Bestechlichkeit bei U-Boot-Geschäften mit deutschen Unternehmen im Gefängnis. Ein griechischer Spitzenbeamter hat jüngst gestanden, Schmiergeld kassiert zu haben.

Im Februar machten weitere Ermittlungen in Griechenland Schlagzeilen. Erneut geht es um Korruption. Ermittler aus Athen haben sich mit einem Rechtshilfeersuchen an die Münchner Staatsanwaltschaft gewandt. Sie wollen den Verkauf von 170 Leopard-2-Kampfpanzern durch Krauss-Maffei Wegmann (KMW) im Jahr 2002 überprüfen lassen. Die Staatsanwälte in der bayerischen Landeshauptstadt machen aus "ermittlungstaktischen Gründen derzeit keine Angaben zu den bei uns geführten Untersuchungen".

Gegen Krauss-Maffei Wegmann wird in Griechenland bereits wegen des Exports von Panzerhaubitzen vom Typ PzH 2000 ermittelt – laut KMW das "leistungsfähigste Artilleriesystem weltweit". Nach Angaben von griechischen Kronzeugen wollten griechische Vermittler im Auftrag von KMW aber nicht nur mit Werbeslogans überzeugen. Der ehemalige Vizeleiter des griechischen Direktorats für Rüstungsbeschaffungen habe 750.000 Euro erhalten, um beim Kauf von 24 PzH 2000 keine Schwierigkeiten zu machen, berichtete die Süddeutsche Zeitung.

Die Münchner Ermittler konzentrieren sich aber nicht auf Bestechung, sondern auf mögliche Steuerhinterziehung. Deutsche Manager stehen unter Verdacht, einen Teil der Schmiergeldzahlungen auf eigene Konten umgeleitet zu haben. Bestechung im Ausland war damals, wenn überhaupt, ein Kavaliersdelikt: Schmiergeldzahlungen sind erst von 1999 an strafbar – zuvor waren sie in Deutschland sogar von der Steuer absetzbar.

Krauss-Maffei Wegmann dementiert alle Vorwürfe per Pressemitteilung: "KMW hat weder Bestechungsgelder gezahlt noch zahlen lassen und verpflichtet stets alle Mitarbeiter und Geschäftspartner, sich strikt rechtmäßig zu verhalten." Den Haubitzen-Deal mit Griechenland hat allerdings noch Wegmann abgeschlossen, ein Unternehmen aus Kassel, das erst 1999 mit Krauss-Maffei fusionierte. Zu den Aktivitäten von Wegmann hat sich KMW nicht geäußert. Nachfragen der ZEIT beantwortete Krauss-Maffei Wegmann nicht.

Staatsanwälte aus Griechenland und Deutschland interessieren sich zudem für Atlas Elektronik, das je zur Hälfte dem Stahlkonzern ThyssenKrupp und dem Luftfahrtriesen EADS gehört. Ermittler durchsuchten Ende August 2013 die Geschäftsräume von Atlas Elektronik in Bremen und Wedel bei Hamburg. Atlas Elektronik steht im Verdacht, bestochen zu haben, um einen Großauftrag zur Modernisierung von Poseidon-U-Booten zu erhalten.

Das Unternehmen habe sich bereits 2010 nach einer internen Compliance-Prüfung selber an die Staatsanwälte gewandt, teilte ein Konzernsprecher mit. "Atlas Elektronik kooperiert vollumfänglich mit den Behörden und hat in Abstimmung mit der Staatsanwaltschaft eine eigene interne Untersuchung veranlasst, um eventuellen neuen Erkenntnissen nachzugehen und den Sachverhalt aufzuklären."