Es gibt Menschen, die es schaffen, Gesprächspartner sofort in ihren Bann zu ziehen. Mohsen Sohi ist so einer. Kaum hat man ihm die Hand gereicht, schon findet man ihn sympathisch. Aber woran liegt das? Statur, Stimme, alles normal – auf den ersten Blick.

Aber er hat diese zugewandte Art, die dem Gegenüber signalisiert: Du bist jetzt wichtig für mich. Ein Menschenfänger.

Vor knapp zwei Jahren wurde der in Teheran geborene Manager mit amerikanischem Pass Vorstandssprecher der Freudenberg Gruppe, eines der größten deutschen Mischkonzerne. Bekannt ist dessen Haushaltsartikelmarke Vileda, aber das ist nur eines von vielen Tausend Produkten, und fast jeder hat täglich mit ihnen zu tun. Ob es der Raumluftfilter im Auto ist, das Schulterpolster im Anzug, der Dichtgummi im Flugzeugfenster, die Wundauflage oder der Wischmopp – stets steckt das Unternehmen aus dem badischen Weinheim dahinter. Und noch etwas ist besonders an dem Familienkonzern. Er gehört auch nach 165 Jahren noch komplett den Nachfahren des Gründers und blieb der Börse fern.

Wie kam Mohsen Sohi zu dem Job an der Spitze eines typisch deutschen Familienkonzerns, einem Posten, auf dem man gemeinhin einen soignierten älteren Herrn, Typ Patriarch, erwartet? Und weshalb gilt ausgerechnet der doppelte Migrant dort als Idealbesetzung?

"Ich kannte Freudenberg damals nicht", sagt der heute 55-jährige Manager über seinen ersten Kontakt mit den Weinheimern im Jahr 2003. Er arbeitete damals für einen US-Industriekonzern, als ihn ein Headhunter anrief und fragte, ob er sich die Leitung der US-Tochter von Freudenberg vorstellen könne.

Um studieren zu können, nahm er einen der letzten Flüge in die USA

Mohsen Sohi nippt an seinem Tee. Das im orientalischen Stil geformte Glas ist das einzige Accessoire in seinem Chefbüro, das an seine persischen Ursprünge erinnert. Sohi wuchs als Sohn eines Gärtnereibesitzers in Teheran auf. Und er hatte einen Wunsch: "Ich wollte Maschinenbau studieren. Schon immer."

Doch just als er einen Studienplatz ergattert hatte, brach die islamische Revolution los. Sohi fürchtete, dass es mit einem regulären Studium nichts werden würde. "Ich wollte diese Ausbildung aber unbedingt", sagt er. Also nahm er einen der letzten möglichen Flüge in die USA. Er kam bei seiner Schwester unter, die schon vorher das Land verlassen hatte und in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri lebte. Zunächst machte er sich daran, sein "bescheidenes Englisch" aufzumöbeln. Er fand einen Studienplatz und zog auf den Campus der Universität, wo er mit Studenten aus verschiedenen Nationen zusammenwohnte.