"Die Arbeit läuft nicht reibungslos, das ist auch das Gute"

ZEITmagazin: Frau Mahler, Herr Mahler, sind Sie einverstanden, wenn man Ihre Fotoserie Seltsame Tage melancholisch nennt?

Werner Mahler: Das würde ich voll akzeptieren.

Ute Mahler: Die Tendenz geht schon in eine schwermütige Richtung, aber ein Konzept war das nicht. Die Arbeit ist sehr persönlich. Mit ihr ziehen wir ein Fazit aus allen Arbeiten, die wir bisher gemacht haben.

ZEITmagazin: Seltsame Tage wird bei Ihrer ersten gemeinsamen Werkschau im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen gezeigt – als einziges neues Werk. Wo entstanden die Aufnahmen?

Ute Mahler: An bekannten und ganz gewöhnlichen deutschen Orten, oft in Brandenburg und Mecklenburg. Aber die Bilder sollen gar nicht verortet werden, das wäre falsch.

Werner Mahler: Zum Beispiel hatten wir zufällig in den Nachrichten von dem Naturphänomen der Gespinstmotten gehört, die ganze Bäume einweben. Wir sind dann in ein bestimmtes Gebiet gefahren, und die Bewohner haben uns gesagt: Ihr seid eine Woche zu spät dran. Also haben wir ein Jahr gewartet und sind noch einmal hin, um die Aufnahme zu machen.

ZEITmagazin: So viel Zeit nehmen sich nicht viele.

Ute Mahler: Es ist eine neue Erfahrung, dass der Faktor Zeit eine so große Rolle spielt. Wenn wir das Gefühl haben, wir schaffen das nicht in diesem Jahr, dann machen wir es im nächsten. Niemand erwartet etwas von uns. Das ist eine wunderbare Art zu fotografieren.

ZEITmagazin: Bereits in den siebziger Jahren haben Sie sich als Fotografen in der DDR einen Namen gemacht. Schon damals waren Sie ein Paar, aber gemeinsam gearbeitet haben Sie bis vor Kurzem nicht. Wie macht man Fotos zu zweit?

Werner Mahler: Wir arbeiten mit einer Großformatkamera, denn das ist die einzige Möglichkeit, gemeinsam als Autor aufzutreten. Da bedarf es großer Ruhe und viel Zeit: Man baut das Stativ auf, der andere sieht durch die Mattscheibe und korrigiert. Dann justieren wir, bis wir der Meinung sind, dass das Motiv genau so im Format stehen muss. Natürlich muss am Ende einer den Auslöser betätigen, aber wer wann was gemacht hat, wissen wir hinterher oft nicht mehr.

ZEITmagazin: Streiten Sie auch?

Ute Mahler: Die Arbeit läuft nicht reibungslos, aber das ist natürlich auch das Gute, dass man seine Idee noch einmal formulieren und dem anderen erklären muss. Jeder hat ja seine eigenen Vorstellungen.

ZEITmagazin: Ähneln sich die Fotos, die Sie allein gemacht haben, eigentlich stilistisch?

Ute Mahler: Wenn Sie mich vor zwei Jahren gefragt hätten, hätte ich gesagt, wir unterscheiden uns vom Stil her stark. Durchs gemeinsame Arbeiten ist mir klar geworden, dass wir uns gar nicht so unähnlich sind.

Werner Mahler: Vor 30 Jahren schrieb jemand in einer Rezension: "Das Schaffen der Mahlers ist nicht voneinander zu trennen." Wir waren beide sehr erbost über diesen Satz. Aber jetzt sehen wir, dass vielleicht doch etwas dran ist.