Was ich jetzt mache, fragen mich die Leute. Na nichts, sage ich, ich mache nichts. Was soll ich denn schon wieder machen? Ich habe achtzehn Jahre lang gemacht. Ich betrete jetzt eine Lebensphase, in der das Prinzip des Nichtmachens gilt. Vielleicht werde ich die Zimmer lüften, in denen eine wundervolle, mit mir nah verwandte junge Frau, die gestern volljährig geworden ist, eine von mehreren Geburtstagspartys krachen ließ. Die Party war meine letzte Großanstrengung in puncto machen. Erst weit nach Mitternacht dämmerte den Partygästen, dass es sich bei der netten Dame, die schattenhaft durch die Zimmer strich, das Buffet auffüllte und die in Polstermöbel eingedrungene Zigarettenglut erstickte, um die Mutter der Gastgeberin handelt. Vielleicht hielten sie mich für eine Nachbarsfrau, die sich hier ein paar Euro dazuverdient und von der Mutter der Gastgeberin bezahlt wird.

Ich werde mich auch nicht mit meinen ambivalenten Gefühlen auseinandersetzen. Obwohl die psychologische Wissenschaft den Eltern von Kindern, die dem Gesetz nach als erwachsen gelten und demnächst das Haus verlassen, dringend anrät, sich ihrer ambivalenten Seelenlage zu stellen. In meiner neuen Lebensphase klingen mir Wörter wie auseinandersetzen viel zu sehr nach machen. Ich setze mich in einen der angekokelten Polstersessel, trinke ein paar Gläser Prosecco leer, die von der Party übrig geblieben sind, und beschränke mich auf ein einziges Gefühl: Dankbarkeit. Es hat sich vor achtzehn Jahren eingestellt, ist immer stabil geblieben und reicht jetzt erst mal völlig aus.

In meiner neuen Lebensphase kann es schon mal vorkommen, dass eine Buchkolumne nicht auf Anhieb so wird, wie Buchkolumnen eigentlich sein sollen. Vielleicht stört es einen der reizenden Feuilletonredakteure, die alle vier Wochen diese Kolumne redigieren, dass hier noch von keinem einzigen empfehlenswerten oder nicht empfehlenswerten Buch die Rede ist. Vielleicht bin ich ja in vier Wochen wieder anders drauf. Momentan kann ich aus meinem angekokelten Sessel heraus nur sagen, dass mir neulich ein Buch mit einem hellroten Broschurumschlag in die Hände fiel, dessen Titel ich witzig und für meine persönliche Situation irgendwie passend fand. Es heißt: Als Oma bist du ja ganz nett.

Das Buch wurde von zwei Frauen verfasst. Von Anja Maier, Jahrgang 1965, und ihrer Tochter Hanna Maier, Jahrgang 1988. Diese Tochter hat vor kurzer Zeit ein Kind bekommen. Anja Maier ist nun also Großmutter und nimmt im Alltagsleben ihrer Tochter eine ungeahnt attraktive Position ein. Wenn ich das Buch richtig verstehe, lautet seine Botschaft: Der Weg vom Löschen eines partybedingten Wohnungsbrandes zum Hüten von Enkelkindern ist kürzer, als man denkt. Die Zeit dazwischen ist unbedingt mit Nichtmachen zu füllen. Anja Maier, ehemalige taz- Journalistin, veröffentlichte im Jahr 2011 die großartige Prenzlauer-Berg-Satire Lassen Sie mich durch, ich bin Mutter. Sie schreibt lockere, unterhaltsame, amüsante, anekdotenhafte, lebenskluge Bücher. Sie fallen in das Genre des autobiografischen Sachbuchs. Die Tochter hat das Schreibtalent der Mutter anscheinend geerbt. Um das zu beurteilen, reicht meine Energie gerade noch aus, und ich möchte das Buch ausdrücklich empfehlen.