Hört das denn überhaupt nicht mehr auf? Vor zwei Wochen wurde bekannt, dass Hacker 18 Millionen Passwörter geklaut haben, darunter drei Millionen von deutschen Nutzern. In der vergangenen Woche dann hieß es, die Sicherheitslücke Heartbleed gefährde zwei Drittel aller verschlüsselten Websites. Und nun berichtet der Spiegel, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sei von Hackern angegriffen worden, von echten Profis, die offenbar über Jahre hinweg sensible Forschungsergebnisse ins Visier genommen haben.

Nein, aufhören wird das nicht, jedenfalls nicht in absehbarer Zukunft. Diese Aussicht ist für Privat-User beunruhigend, für Raketenforscher und weltmarktführende Mittelständler nicht minder heikel. Die Ideendiebe treffen gerade eine Nation von Ingenieuren ins Mark. Und die ist gerade dabei, sich um des Fortschritts willen noch verwundbarer zu machen: Regierung und Wirtschaft treiben unter dem Schlagwort "Industrie 4.0" die Vernetzung von Maschinen und Lieferketten voran. Praktisch die gesamte Fabrik wäre damit online ( ZEIT Nr. 5/14).

Dabei berichtet schon heute fast jedes dritte deutsche Unternehmen, in den vergangenen zwei Jahren zum Opfer von Cyberattacken geworden zu sein. Das ergab eine repräsentative Befragung des Branchenverbands Bitkom. Kann man da ernsthaft Millionen mitteilsamer Maschinen ans Netz stöpseln? "Die Vernetzung setzt eine wirksame Bekämpfung zahlreicher Sicherheitsrisiken voraus", hieß es vergangenen November lapidar im Zukunftsbild Industrie 4.0 des Bundesforschungsministeriums. Die Autoren warnen vor "Industriespionage, Betrug, Manipulation und terroristischen Aktivitäten". Da wären die aktuellen Fälle nur ein Vorgeschmack. Tatsächlich berichten Experten von einer steigenden Zahl von Angriffen auf industriell und strategisch kritische Infrastrukturen.

Das Internet wurde nicht entworfen für all die sensiblen Einsätze der Gegenwart und schon gar nicht für die der nahen Zukunft. Deshalb muss es umgebaut werden. Neben jenem Oberflächennetz, in dem wir surfen und twittern, muss ein Maschinen-Internet aufgebaut werden mit aufwendiger Passkontrolle und unerbittlichen Türstehern. Die dafür nötige Kryptografie ist selbst ein wertvolles Exportgut. Mehr noch: Damit es sicherer wird, muss das Netz "balkanisiert" werden, also unterteilt werden in viele verschiedene Netze. Streng abgeschottete für die Steuerung kritischer Infrastrukturen wie Kraftwerke, Gas- und Wasserversorgung; dazu viele separate für das Maschinengeschnatter der Onlinefabriken. Je weniger Verbindungen diese Netze zum übrigen, grenzenlosen Netz haben, desto weniger Einfallstore finden Datendiebe.

Übrigens: Wen hat das Ministerium mit der Betreuung des Zukunftsprojekts 4.0 beauftragt? Das DLR.