Im Prinzip besteht das Jahr ja überall auf der Welt aus zwölf Monaten. In Österreich trifft dieses unumstößliche Gesetz der Zeiteinteilung allerdings nicht immer zu, zumindest was einen gewissen Personenkreis betrifft. Dabei handelt es sich etwa um einige pensionierte Funktionäre der Nationalbank, für die ein Monat eine relative Größe ist, das sie monatlich fast doppelt so viel einnehmen, wie der noch nicht pensionierte Bundeskanzler. Und das vierzehn Mal im Jahr. Eine Meisterleistung, zumal nahezu die Hälfte aller noch aktiven Notenbanker bis vor Kurzem gar keinen Pensionsbeitrag geleistet haben. Kein Licht ohne Schatten. Zum Ausgleich mussten länger Beschäftigte bereits im zarten Alter von 55 gegen ihren Willen in Pension gehen. Ein Skandal, der nur vergleichbar ist mit den Vorkommnissen bei der Post. Dort wurden engagierte Mitarbeiter mitten in der Blüte ihres Lebens schon mit 53,5 Jahren brutal aufs berufliche Abstellgleis gedrängt. Meist lautete die Begründung "Dienstunfähigkeit". Die Folgen dieser Diskriminierung sind überall zu beobachten. Traurige, frei herumlaufende Postbeamte beginnen plötzlich, in ihrem Ruhestand ihre fragile Gesundheit, die ihnen ja nicht mehr erlaubt, einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen, mit Freizeitstress zu belasten. Sie streunen auf Golfplätzen herum, lassen sich in verletzlichen Schlauchbooten durch gurgelnde Wildwasserstrudel talwärts treiben oder keuchen gar bei einem Halbmarathon der Illusion von der ewigen Jugend hinterher. Das sind die alarmierenden Symptome einer heftigen Entzugsreaktion, die durch den abrupten, unfreiwilligen Verlust des Lebenssinns hervorgerufen wird. Da weiß sich die geschundene Psyche keinen anderen Rat, als nach einem Ersatz zu suchen, der die Physis einer ungewohnten und gleichzeitig die Gesundheit gefährdenden Belastung aussetzt. Dadurch sollen die trüben Gedanken, zu denen jeder Frühpensionsschock notwendigerweise führen muss, zerstreut werden. Für das Gesundheitssystem hat das schlimme Folgen. Nicht zu vergessen das Dilemma der pensionierten Banker. Geld ist ja prinzipiell in Ordnung. Aber was macht man, wenn viel zu viel davon vorhanden ist, um es sinnvoll auszugeben? Welch trauriger Anblick, diese wohlhabenden Pensionisten, die an den nobelsten Stränden dieser Erde herumlungern. Aus leeren Augen richten sie ihren stieren Blick zum flirrenden Horizont. Auch ihnen stellt sich in dieser Situation eine existenzielle Sinnfrage: Was hat man davon, wenn man schon alles hat? Auch der pensionierte Notenbanker ist nur eine gequälte Kreatur, die nach Antworten sucht. Neid ist nicht angebracht. Auch der reiche Mensch hat Probleme, wahrscheinlich sogar mehr davon!