Die Eltern stehen draußen vor der Tür. Sie haben das Kinn im Jackenkragen versteckt. Es ist ein kalter, verregneter Abend. Hier, auf der Straße vor dem Stadionausgang, gehen die Menschen einer ihrer Hauptbeschäftigungen nach: Sie warten auf ihre Söhne.

Der TSV 1860 München hat Bayern München in der A-Jugend-Bundesliga 4 : 2 geschlagen, nun duschen die Jungs. Die Eltern dürfen nicht hinein in die wärmeren Gänge des Stadions an der Grünwalder Straße. Ein Sicherheitsmann steht vor der Tür. "Zugang nur für Sportler und Funktionäre."

Petra Steinhöfer hat das schon vor über einem Jahrzehnt mitgemacht. Ihre beiden Söhne durchliefen damals die Jugendakademien der Bundesligaclubs 1. FC Nürnberg und Bayern München. Es waren Jahre, in denen die Stimmung der ganzen Familie von den Auf und Abs des Fußballs eingenommen wurde, in denen "wir in fremden Städten bei fremden Leuten im Garten zelteten, um unsere Söhne zu ihren Spielen zu begleiten". Sie zog eine ungewöhnliche Konsequenz aus dieser Zeit: Sie steht mit 55 Jahren wieder mit den Eltern vor dem Stadionausgang.

Denn Petra Steinhöfer hat eine Beratungsagentur gegründet, "Tutor. Karrierebegleitung" heißt diese. Aufgrund ihrer eigenen Erfahrung mit ihren zwei Fußballsöhnen will sie Familien umsorgen, deren Kinder in Proficlubs ausgebildet werden. Sieben Jugendfußballer samt Familie betreut Steinhöfer derzeit.

Wenn man mit dieser Frau spricht, dann lernt man eines über das Fußballgeschäft: Nicht der Mensch, das merkt man schnell, sondern das Geschäft und der Profit stehen für die Vereine im Vordergrund. Das ist in den meisten außergewöhnlich hoch bezahlten Berufen nicht anders. Das Besondere im Fußballgeschäft ist jedoch, dass die Menschen, die sich diesen Spielregeln stellen müssen, noch Kinder sind. Steinhöfer ist davon überzeugt, dass man sie führen und vor Gefahren beschützen muss.

Die Frage ist: Hilft es den heranwachsenden Spielern, wenn man sie wie Steinhöfer vor der Welt beschützt, in der sie später bestehen müssen?

Einer von Steinhöfers Spielern, Marius Wolf, hat an diesem Abend als Kapitän der A-Jugend-Elf des TSV 1860 mit einem sauberen Direktschuss das 1 : 0 beim Derbysieg über die großen Bayern erzielt. Petra Steinhöfer, schwungvoller Pagenschnitt, marineblauer Mantel, wartet nach dem Schlusspfiff 30 Minuten vor dem Stadion, um ihrem Zögling Marius zu gratulieren.

Agenten wie Petra Steinhöfer müssen die Fähigkeit besitzen, den Spielern bereits im Alter von 14 oder 15 Jahren das Talent anzusehen.

Für ihren jüngeren Sohn Markus handelte ein Agent einen Jugendvertrag beim FC Bayern aus, mit Unterbringung im Vereinsinternat und 450 Euro Taschengeld – alles verlief professionell. Aber bis zum nächsten Vertragstermin Jahre später war der Mann dann nur noch oberflächlich für den Jungen da. "Ist ja klar, die Berater haben für einen 16-Jährigen keine Zeit", sagt sie, "denn sie müssen Geld verdienen, und Provision fließt erst bei Profiverträgen. Also sammeln die Berater 20 talentierte Jugendspieler in ihrem Portfolio und steigen in die Betreuung erst richtig ein, wenn einer mit 18, 19 an der Schwelle zum Profifußball steht."

An Agenten mangelt es im Profifußball nicht, über 400 sind allein in Deutschland registriert. Steinhöfer glaubt, dass die meisten von ihnen ihre Aufgabe nicht sorgfältig erfüllen. Denn die Fußballkinder und ihre Familien benötigen die wirkliche Hilfe in der Zeit, in der sich die jungen Spieler zwischen Schule und Fußballtraining aufreiben oder wenn ein Bänderriss wie das Ende der Welt erscheint. "Ich dachte, bei all diesen alltäglichen und psychologischen Fragen müsste ein Berater helfen", sagt Steinhöfer. Also hat sie damit angefangen.

Hat Petra Steinhöfer eine Chance in einer Welt, in der das Geld regiert?

"Es wäre wünschenswert, wenn alle Berater nicht ausschließlich am Profit orientiert arbeiten würden", sagt Wolfgang Schellenberg, der Leiter der Nachwuchsakademie bei 1860 München. Aber er kennt die reale Welt, in die sich Petra Steinhöfer gestürzt hat. Es ist eine Welt, in der es selten um innere Werte geht, eine Welt, in der Macht mit Geld demonstriert wird. Manche Berater schenken den Fußballtalenten Laptops, damit sie zu ihrer Agentur wechseln; manche entreißen anderen Beratern Fußballkinder, indem sie die Eltern der Jungs mit Geld ködern. Welche Chance hat Petra Steinhöfer in diesem Geschäft mit ihrem fürsorglichen Ansatz?