Petra Steinhöfer spielte selbst Fußball, Linksaußen, zu einer Zeit, als Fußballerinnen noch belächelt wurden. Sie arbeitete als Sekretärin und gründete einen kleinen Laden für Kunstgewerbe. Vor allem wollte sie jedoch für ihre drei Kinder da sein: Die beiden Söhne Thomas und Markus, sowie Tochter Antonia.

Markus schaffte es zum Profi, er spielte in Salzburg, bei Eintracht Frankfurt, Kaiserslautern, dem FC Basel und Betis Sevilla. Nun ist er bei 1860 München in der Zweiten Bundesliga angekommen. Thomas warf mit 17 die Fußballkarriere hin. "Als Eltern", sagt Petra Steinhöfer, "sagst du dann immer: Kein Problem, wenn er nicht mehr Fußball spielen will. In Wirklichkeit habe ich vier Wochen und mein Mann ein Jahr damit gehadert, nachdem sich Thomas entschieden hatte, aufzuhören. Steinhofer weiß, wie ehrgeizig Eltern von Sportlern sein können. "Sie leben die Träume ihrer Fußballkinder mit, da darf man sich nichts vormachen. Sonst halten sie den Stress auch gar nicht aus."

Heute arbeitet Thomas als Architekt. In der Heimat fragen die Leute trotzdem immer nur nach Markus: "Wie geht es Ihrem Sohn?", dem Fußballer. "Vergesst die Geschwister nicht", predigt Petra Steinhöfer den Fußballeltern. Gerade Mädchen würden in den Fußballfamilien oft unbewusst vernachlässigt, weil sich schon allein organisatorisch alles um den Bruder, den Fußballer, drehen muss.

Antonia, knapp über 20, weiß, wovon ihre Mutter spricht. Ihre Hände sind ständig in Bewegung beim Reden, sie sitzt ein paar Tage vor dem Jugend-Derby in der Mocca-Bar in Grafing. Die Tochter von Petra Steinhöfer war jahrelang der Fußballdominanz in ihrer Familie ausgesetzt. "Das wirkliche Schwierige", sagt sie, "ist, dass du überall auf deinen Bruder reduziert wirst." Antonia verliebte sich, und der Junge fragte nach einem Trikot des Bruders. Im Café sagten die Bekannten: Übrigens, der Junge war gar nicht in dich verliebt, der wollte nur das Trikot deines Bruders. "Da wollte ich nur noch ganz weit weg."

Mit ihrer ganzheitlichen Idee von einer Tutorin widmet sich Petra Steinhöfer nicht nur den klassischen Agentenfeldern wie der Vereinssuche, sondern vermittelt bei Schulproblemen. Sie organisiert Medienschulungen bei einem prämierten Journalisten und schenkt den Fußballjungs Olivenöl und Balsamico, damit sie lernen, Salatsoße selbst anzurichten.

Gerade habe er von Petra gelernt, professionell zu trinken, sagt Marius Wolf, vier Liter Wasser am Tag. Er wohnt in einer Einzimmerwohnung in einem Hochhaus direkt am Trainingsgelände von 1860, auch zu Hause trägt er eine Baseballkappe. Im Treppenhaus stehen Topfpflanzen mit einem Zettel, "Finger weg! Das sind meine Pflanzen". Marius kommt aus einem kleinen Dorf hinter Coburg und zog vor anderthalb Jahren, gerade 17 geworden, des Fußballs wegen allein nach München. Petra Steinhöfer hatte ihm den Platz bei 1860 besorgt. "Sie ist wie eine Mutter", sagt Marius und lächelt. "Sie sagt, dass ich mein Leben nicht verbummeln soll."

Ein Spieler fand es peinlich, von einer Frau beraten zu werden

Wird sich ihr Engagement jemals auszahlen? Nur Ausgaben, hat ihr Mann sie gerade wieder erinnert, wann kommt endlich Geld rein? Ihr Mann ist Lohnbuchhalter, doch man braucht nichts von Geld zu verstehen, um seine Sorge zu erkennen: Dass niemand den Job wie Petra Steinhöfer macht, liegt daran, dass damit bis zum Profialter des betreuten Spielers kein Geld zu verdienen ist.

Ihrem Sohn Markus, dem Profifußballer, ist ihre Arbeit unangenehm. Welcher erwachsene Sohn mag es schon, dass die Mutter plötzlich in seinem Metier, in seiner Welt auftaucht? Aber er ist auch besorgt, dass der Mutter die besten Spieler just in dem Moment von etablierten Beratern weggenommen werden, wenn sie vor einem Profivertrag stehen. Er kenne das Geschäft, sagt der Sohn. Drei Spieler sind Petra Steinhöfer schon abgesprungen. Einer von ihnen fand es am Ende peinlich, von einer Frau beraten zu werden.

"Sie wird immer mal wieder auf Spieler oder auch Vereinsvertreter treffen, die ein Problem damit haben, dass sie eine Frau ist, da brauchen wir uns nichts vormachen", sagt Wolfgang Schellenberg, der Jugendleiter von 1860 München. "Das muss sie einfach einkalkulieren." Marius Wolf, ihr talentierter Mittelstürmer, bekommt manchmal Anrufe von Beratern, ob er nicht mal schön mit ihnen abendessen wolle. Er sagt dann immer, nein danke, er habe schon eine Beraterin.

Der Kampf gegen die männliche Konkurrenz ist mühsam. Steinhöfer ist unbequem. Nachdem sie den dritten Fußballjungen verlor, bat sie einen ehemaligen Profispieler, regelmäßig mit Marius über sein Fußballspiel zu sprechen, um ihrer Beratung auch den Stallgeruch klassischer Agenten zu geben. Sie hat längst die Illusion aufgegeben, alleine in der Männerwelt zurechtzukommen. Der Fußball wird von Männern geprägt. Auch wenn Steinhöfer selbst Fußball spielte, so sehnen sich die jungen Spieler nach Vorbildern, ihre Idole sind männlich, zu ihnen schauen sie auf.

Von Petra Steinhöfers derzeitigen sieben Fußballkindern haben noch drei, allenfalls vier eine realistische Chance. "Aber ich könnte es nicht mit mir vereinbaren, die anderen fallen zu lassen. Klassische Berater würden diese Spieler aufgeben. So will ich ja gerade nicht sein." Also kümmert sie sich weiter auch um die Jungs, die mit 19, 20 studieren und nebenbei in der vierten Liga für ein paar Hundert Euro spielen.