"Muss der Busbahnhof nachts mit dem Laubbläser gereinigt werden?", fragt Nicolas Breiding aus Bergedorf.  In der Kolumne "Warum funktioniert das nicht?" beantwortet unser Kolumnist Mark Spörrle die Fragen der Leser.

Es ist nach Mitternacht. Der Busbahnhof in Bergedorf liegt fast verlassen da. Plötzlich Röhren, Knattern, Höllenlärm. Im Film käme nun ein Irrer mit Kettensäge, um sich für seine Kindheit ohne Liebe zu rächen. In Bergedorf kommt ein Mann mit Laubpuster, einem der Dinger, die mit über 100 Dezibel jeden Rasenmäher toppen. Es liegt kein Laub. Also bläst der Pustermann eine Wolke aus Staub, Papierfetzen und Zigarettenstummeln vor sich her und verschwindet in der Nacht. Warum tut er das – und zu dieser Stunde? Versteckte Kamera? Eine ABM-Maßnahme für Tageslichtallergiker? Oder lebt er mit dem röhrenden Puster seine Fantasien aus – und sei es nur die, sich an den Bewohnern des Hochhauses ein Stück weiter für seine Kindheit ohne Liebe zu rächen?

Beauftragt haben will ihn jedenfalls niemand: Die Deutsche Bahn lässt hier nicht sauber machen. Die Hochbahn reinigt ihre Busbahnhöfe zwar nachts, mit dem Besen! – aber nicht diesen. Die Stadtreinigung ist auch nicht zuständig. Wenn sie pusten lässt, dann nur Laub, nur tags und mit umweltverträglicheren Elektrobläsern. Doch ein Durchgeknallter!?

Nicht ganz. Denn die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein sind clever und haben mit dem Kehren hier nicht einfach die Stadtreinigung beauftragt – die hätte zwei bis drei Männer mit ökologischen Besen schicken müssen –, sondern eines ihrer Subunternehmen. Das heuerte ein Subsubunternehmen an. Und dieses einen Subsubsubunternehmer. Das Pfiffige: Alle Chefs verdienen daran, und gespart wird trotzdem! Schließlich macht am Ende nur noch einer die Arbeit. Immerhin muss der arme Mann nicht die ganze Nacht fegen, denn auf dem Busbahnhof Bergedorf darf, wie praktisch, rund um die Uhr geröhrt werden. So hat der Einzelkämpfer die Wahl: zu ertauben, sich von dem aufgewirbelten Feinstaub Lungenkrebs zu holen – oder von einem entnervten Fahrgast niedergeschlagen zu werden.