"Lehre tut viel, aber Aufmunterung tut alles", das wusste schon der bei Abiturprüfern beliebte Goethe, und mit dieser gelockerten Grundhaltung wollen wir uns diese Woche einem ernsten Phänomen nähern: dem durchritualisierten Wildwerden bildungsbürgerlicher Hoffnungsträger. Der Abiturfeier.

Es soll ja Zeiten gegeben haben, da zettelten Gymnasiasten, wenn alles vorbei war, einen kleinen Unfug an, der die Unschuld schon im Namen trug: einen Streich. Beim Abi-Streich trugen sie harmlos bedruckte Shirts und fuchtelten mit Wasserpistolen.

Wie viel selbstbewusster und humorbegabter wirkt da der Abiturient von heute, dessen Abgang einem streng choreografierten Zeremoniell folgt. Unverzichtbar ist zunächst ein möglichst intelligentes Motto ("Abigasmus. Höhepunkt nach 13 Jahren"/"Abicalypse now"), hinzu kommen Abi-Verleihung, -Reise, -Film, -Ball.

So ein Fest darf da schon mal 18.000 Euro kosten, weiß man seit vergangener Woche. Da verhandelten Richter den Fall eines Partyveranstalters, dem Farmsener Abiturienten so viel Geld gezahlt hatten. Doof nur: Das Fest fand nie statt. Ebenfalls seit letzter Woche ist bekannt, dass, quasi als Lockerungsübung, auch die vorgezogene Abi-Feier beliebt ist: Abiturienten am Niendorfer Gymnasium Bondenwald hatten, in Strapsen und Pelz, ihre Reife gefeiert. Leider lief das Fest unrund, Schüler wähnten sich vergiftet, was sich aber als Hysterie erwies.

Kurz vor Ostern wird die Abiturfeier hier zum Symbol: für den Glauben in Selbstheilungskräfte, ja Entgiftung gar. Und sie spendet noch dem Klassenletzten Hoffnung: Wenn selbst wir es schaffen, schafft es jeder von euch.