Wo sind all die Teenies hin? Jeder, der regelmäßig S-Bahn fährt, mag einwenden, dass die Hormone so munter wuchern wie eh und je. Doch auch wenn Jugendliche nicht aus dem Straßenbild verschwunden sind, so fehlen sie heute doch auf unseren Bildschirmen. Nicht nur tragen keine wundersam unpickligen Teenager mehr ihre Subjektwerdung auf den Leinwänden aus. Ihr spirit scheint völlig verloren gegangen zu sein.

In den letzten Jahren gab es nur wenige Filme, die dem klassischen Teenie-Genre zugerechnet werden können, Filme, die Spaß, Jugend und Frivolität zelebrieren. Noch weniger hatten Erfolg. Die erste Liebe, die erste Jeans (was dasselbe sein kann) interessieren heute nicht mehr. Dabei war doch dieser spirit einmal so erdrückend hegemonial, dass jeder und jede zwischen 9 und 49 am liebsten ewig 16 gewesen wäre.

In der Blütezeit der Teenies, den Neunzigern, als Fernsehserien wie Dawson’s Creek und Clueless den Alltag von Highschoolschülern ausleuchteten und Horrorfilme wie Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast den unbeschwerten Konsum feierten, war jede Filmeinstellung in optimistische Rottöne getaucht. Fiktionale Mittdreißiger wie Ally McBeal konnten quietschfidel behaupten, sie seien trotz mehrjähriger Anwaltskarriere erst 27. Es war erstrebenswert, möglichst jung zu sein, am besten adoleszent. "Not a girl, not yet a woman", sang Britney Spears, die fleischgewordene Pubertät, bevor sie durch Wahnsinn und Entmündigung zurück in die Infantilität gestürzt wurde.

Vielleicht hat ihr jäher Absturz so klar gezeigt, dass, wenn man noch keine Frau ist, der Schritt zurück zum Kind sehr schnell vollzogen ist, dass heute Erwachsensein ganz groß geschrieben wird. So ist der Teenie-Star der Stunde die Schauspielerin Jennifer Lawrence, berühmt geworden durch die Verfilmung der Weltbestseller Hunger Games: Tribute von Panem. Lawrence wird auf um die 30 geschätzt – in Wahrheit ist sie knackige 23.

Früher wäre eine ganze Dekade älter zu wirken der sichere Karrieretod gewesen, heute ist es eine Auszeichnung. Passenderweise spricht man auch nicht mehr von Teenagern, sondern von Young Adults, jungen Erwachsenen. Und wie erwachsen, wie ernst, wie verantwortungsbewusst sie doch geworden sind. In Hunger Games kämpft sich Lawrence bogenschießend durch eine postapokalyptische Medien-Dystopie, in einem Wettkampf gegen Gleichaltrige, gegen das System, gegen die eigenen Schwächen. Ein Kampf, in dem schon mal Will Smiths niedliche neunjährige Tochter ermordet wird.

Spaß, Optimismus oder Frivolität sucht man hier vergeblich. In dieser blau getönten, düsteren Welt hat der brutale Zweikampf den ersten Kuss oder die erste Jeans als Initiationsritual abgelöst. Coming of Age bedeutet, ins mentale Reich der Großen geworfen zu werden. Man springt ohne chaotischen, verwirrenden Transformationsprozess gleich vom Kind zum Erwachsenen, der sich im ständigen Überlebenskampf befindet.

So auch in der neuesten Young-Adult-Buchverfilmung, Die Bestimmung – Divergent von Regisseur Neil Burger. Der Hunger Games-Abklatsch soll der Auftakt zu einem neuen dystopischen Franchise bilden. Im kriegsverwüsteten Chicago der Zukunft wird entschieden, welcher Kaste man angehören soll: Wissenschaftler, Krieger, Arzt. Ausgesucht wird nach Persönlichkeitsmerkmalen. Wer in mehrere Gruppen passen könnte, gilt als divergent, als abweichend, und wird ausgemerzt. So soll es auch der 16-jährigen Beatrice Prior ergehen, die sich fortan im Kampf gegen das System und damit gegen Kate Winslet befindet. "Tris" ist eine todesmutige, eine erwachsene Kämpferin, gespielt wird sie von Shailene Woodley. Die Schauspielerin ist Jahrgang 1991.