Italiens Gurlitt

Ein älterer Mann im Ruhestand, der zurückgezogen auf dem Land lebt, umgeben von Kunstwerken zweifelhafter Herkunft, die Millionen wert sind. Nein, es geht ausnahmsweise nicht um Cornelius Gurlitt, obwohl die Meldung der Guardia di Finanza ähnlich spektakulär klingt. Bei einer Razzia in der Villa eines ehemaligen Finanzmanagers in Lanuvio bei Rom entdeckten die Beamten Hunderte archäologischer Artefakte. Von der römischen Münze bis zur Marmorsäule. Schön in Vitrinen dekoriert, nur leider nicht legal erworben, sondern offensichtlich aus Raubgrabungen. Der Wert der Artefakte wurde auf mindestens 150 Millionen Euro geschätzt, eine gewaltige Summe, die wiederum an die sagenhafte, inzwischen deutlich nach unten korrigierte Milliarde im Fall Gurlitt erinnert.

Chinas Schälchen

Vertraut erscheint die jüngste Sensation aus dem chinesischen Auktionsgeschehen. Das Schälchen mit Hahn und Henne als Dekor wurde jetzt bei Sotheby’s in Hongkong für gut 281 Millionen Hong Kong Dollar (rund 26 Millionen Euro) verkauft. Das um 1475 entstandene Ming-Schälchen hält nun den offiziellen Rekord für Porzellan aus China. Käufer ist Finanzmogul Liu Yiqian aus Shanghai. Er setzte sich im Bietduell gegen den Londoner Händler Giuseppe Eskenazi durch, der bei der letzten Versteigerung des Stücks 1999 im selben Haus erfolgreich war – zu rund einem Achtel des heutigen Preises. Der jetzige Einlieferer hatte das Schälchen von ihm erworben.

Luthers Bibel

Eine ganz besondere Biblia latina bietet das Auktionshaus Hartung & Hartung in München bei seiner Antiquaria-Auktion am 5. und 6. Mai: Die Bibel, die 1542 in Lyon entstand, ging durch die Hände von Martin Luther. Der Reformator hinterließ auf dem Spiegel einen achtzeiligen Eintrag, vermutlich eine Widmung. Es handelt sich um ein etwas kryptisches Bibelzitat des Propheten Hosea, der Israel als untreue Frau beschreibt und damit möglicherweise eigene Probleme abarbeitete. Auf 50.000 Euro wird die über vier Jahrhunderte alte Ehetherapie geschätzt.

"Neues vom Markt" wird erstellt in den Redaktionen von WELTKUNST und KUNST UND AUKTIONEN. Beide erscheinen im ZEIT Kunstverlag.