Berlins Reize offenbaren sich oft an ungeahnter Stelle – an Orten, die Touristen nur schwer finden. 17 davon stellt der Schriftsteller Joscha Remus in seinem Buch Lichtertanz am Mauerpark vor.

Er lässt sich auf einem Floß über den Müggelsee und die angrenzenden Kanäle treiben. Er preist die Schaukeln im Mauerpark, die nicht nur akrobatische Sprünge erlauben, sondern einem auch das Gefühl geben, die einstige deutsch-deutsche Grenze zu überfliegen.

Remus erkundet die Spezie des "Kuppelhunds", spezialisiert aufs "Andoggen", die Gesprächsanbahnung unter Hundehaltern, deren Leinen sich auf mysteriöse Weise verheddern. Und er widmet sich dem Wandel der Berliner Stulle, die er zu Unrecht als schlichte Kost geschmäht sieht –immerhin gebe es längst auch Genießervarianten mit Rucola, Pinienkernen oder karamelisierten Birnen. Vor allem aber zeigt er Berlin als Hort der Visionäre und Sonderlinge. So besucht er den Gedankenleser, der sich rühmt, eine Stecknadel inmitten der Millionenstadt aufspüren zu können. Oder einen Russen, der hier als Bergführer arbeitet, obwohl der Teufelsberg gerade mal 115 Meter misst. Remus Feuilletons lassen sich als Aufforderung lesen, Berlin auch ein drittes oder viertes Mal zu besuchen. Denn verstehen kann diese Stadt nur, wer ihre Vielfalt erkundet.