Auf einer Weltreise habe er sich in den "Charakter der Städte verliebt", schreibt der Wiener Journalist Axel Halbhuber, in jenes nicht immer klar zu definierende Unverwechselbare einer Stadt. Zurück zu Hause, machte Halbhuber diese Erfahrung zur Grundlage seines so chaotischen wie interessanten Wien-Lesebuchs, in dem er neben einer beträchtlichen Ansammlung historischer Fakten den "Ton" der Stadt zu treffen versucht.

Dabei helfen die für Nicht-Wiener oft skurrilen Begriffe erheblich: "Ein Schnitzel ist dann gut, wenn einem die Herkunft des 'Bröselteppichs' völlig powidl (egal) ist." Nicht viel bessere Chancen hat der Neuling, wenn ihm im Beisl jemand am Schank ein "Fluchtachterl" anbietet. Verwirrend auch der "Gemischte Satz", des Wieners traditionsreichste Rebsorte.

Wenn man geduldig genug blättert, findet man hier aber auch die Historie des Burgtheaters detailliert erzählt; die Geschichte von Prater, Lipizzanern und Kaiserin Sisi. Wer allerdings gezielt zu suchen beginnt, ist verloren. Dies Buch ist gemacht für Leser, die sich durch die Seiten treiben lassen und plötzlich feststellen, dass sie sich festgelesen und dabei eine Menge gelernt haben. Doch auch wer Wien ganz systematisch erobern will, wird im Metroverlag fündig. Wenn der langjährige Stadtführer Johann Szegö Von Palais zu Palais wandert, tut er das ebenfalls mit viel Witz. Jahreszahlen und trockenen Fakten stellt er Anekdoten bei. 30 dieser "unbefestigten Adelswohnsitze in der Stadt" stellt Szegö vor, und auch hier entzückt das Wiener Vokabular mit Namen wie Ephrussi, Pallavicini, Alte Favorita.

Es ist vor allem die Pracht der schön fotografierten Portale, samt ihrer reich verzierten Säulen und Kapitelle, Wappen und Doppeladler, Herkulesskulpturen und Karyatiden, die bis heute jedem unmissverständlich deutlich macht: An diesen Orten lebte nicht einfach irgendwer. Wien für Neugierige schließlich kommt als "Stadteroberung" daher, die schon im Vorfeld einer Reise mit wunderschönen Schwarz-Weiß-Fotos von Andrea Peller besticht. Autor und Fotografin arbeiten sich vom Schottentor bis zum Rotenturmtor an den sechs alten Toren der Stadtmauer entlang – Erinnerungsmarken von Orten, die es nicht mehr gibt: Damit die klassizistische Pracht der Stadt an der Ringstraße entstehen konnte, erinnert Autor Martin Sowoboda, mussten diese uralten Markierungen der Hauptachsen Wiens weichen. Das Lesebuch führt zurück bis ins Mittelalter und darüber hinaus, verweist auf 5000 Jahre alte Spuren, die zu den allerersten Siedlern der Stadt führen. Wunderbares Wien, dem der Stoff für immer neue Bücher nie ausgehen wird!