Er war ein Freund bis an den Rand der Selbstaufgabe. Gewiss, Friedrich Engels, der klassenkämpferisch entflammte Fabrikantensohn aus Barmen, sonnte sich auch im Marxschen Glanz. Doch was wäre Karl Marx ohne ihn gewesen?

Nach dem gescheiterten Versuch, 1848 während der bürgerlichen Revolution in Deutschland auch gleich noch eine proletarische anzuzetteln, gingen beide nach England. Marx siedelte nach London über, mit Familie und großen Ideen, aber ohne einen Penny. Engels kehrte in den Industriemoloch Manchester zurück, wo er in den 1840er Jahren den Alltag der Arbeiter studiert hatte. Nun übernahm er in der dortigen Firma seines Vaters einen Posten.

Das liebe Geld floss, in nicht geringer Menge, zum lieben Marx, der in der Hauptstadt ohne Kapital am Kapital schrieb und sich der Zumutung der Lohnknechtschaft beharrlich widersetzte. Engels ging einem Beruf nach, den er hasste (er sprach nur abfällig vom "Schacher"), um Marx dabei zu helfen, das ganze Elend ein für alle Mal zu beenden. Engels schrieb glänzende Artikel unter Marx’ Namen – das Honorar ging aufs Konto des Freundes. Engels habe, so wurde gemunkelt, sogar die Vaterschaft für ein Kind übernommen, das Marx mit seiner Haushälterin gezeugt hatte. Und nach dem Tod des Meisters? Edierte Engels den zweiten und den dritten Band des Kapitals, in jahrelanger Selbstentsagung.

Ohne ihn, Freund Engels, wäre das im besten wie schlimmsten Sinne einflussreichste Werk des 19. Jahrhunderts nie vollendet worden. Jahre seines Lebens gab er hin, Zeit, Geld, Geist, Geduld. Für Marx. Und für die Sache. Für den Aufstand der Proletarier aller Länder – der niemals kam.