Als sich Werner Forßmann, Assistenzarzt in Eberswalde, todesmutig einen Gummischlauch in sein Herz schiebt, denkt er an den Fortschritt. Es ist Frühsommer 1929, und Forßmann will beweisen, dass man mit einem Katheter über eine Vene bis zum Herzen vordringen kann. Er braucht dafür Hilfe und einen Schlauch. Beides bietet ihm eine Chirurgie-Krankenschwester: Sie hat die Schlüssel für den Schrank mit den Kathetern, und sie kann ihm assistieren.

Er benötige einen Blasenkatheter, sagt Forßmann der Schwester, sie öffnet den Schrank und ahnt nicht, was jetzt kommt. Forßmann setzt sich einen Schnitt in den Arm und schiebt den Schlauch in Richtung Herz. Mit dem Katheter im Arm geht er, begleitet von der überrumpelten Schwester, in den Keller zum Röntgengerät. Er will beweisen, dass er sein Ziel erreicht hat. Ein Kollege ertappt Forßmann beim lebensgefährlichen Selbstversuch, doch da ist die Aufnahme schon gemacht.

Forßmann bekommt erst Ärger, dann Lob vom Chef. Erst spät erkennt die Fachwelt das Potenzial der Methode: Man kann die Funktion des Herzens messen, Verengungen der Herzkranzgefäße entdecken. Forßmann erhält 1956 den Nobelpreis. Heute nutzen Ärzte den Herzkatheter auch für die Behandlung von Infarkten, Herzklappenfehlern und Rhythmusstörungen. Forßmann hat sein Leben aufs Spiel gesetzt. Nicht auszurechnen, wie viele Leben er gerettet hat.