Im Herbst 1915 geriet Otto Dix, damals 23 Jahre alt, in Frankreich erstmals in den Krieg. Sein Einsatz an der Front sollte, mit Unterbrechungen, 38 Monate dauern. In den Schützengräben bewährte sich Dix als gut funktionierender Soldat, er brachte es bis zum Vizefeldwebel, dem höchsten für ihn möglichen Dienstgrad. Wie er den Krieg erlebte und wie er ihn später als Künstler verarbeitete – dazu einige Zitate von Dix aus seiner Feldpost und aus späteren Interviews.

"Liebe Lili! Tausend Dank für das Päckchen. Wir liegen zwischen St. Souplet u. Aubérive vorläufig noch in Regimentsreserve. Die Zigaretten sind sehr gut! Heute am 11. soll doch Frieden sein? Wir merken hier nichts davon. [...] Mit den Leuten bin ich selbstverständlich ›nett‹, solange sie unbedingt gehorchen. Ich grüße Sie herzlich, Ihr Dix." (11.11.1915, Feldpostkarte an Lili Schultz)

"Am 17. Nov. das / Eiserne II. Kl. / erhalten. Verleihung / am 12. Nov." (aus dem Kriegstagebuch)

"Die Langeweile, die Läuse und die Flöhe, das frißt einen alles heimlich auf. Sonst ist außer dem Trommelfeuer überhaupt nichts unheimlich für einen Soldaten." (7.1.1916, Feldpostbrief an Helene Jakob, die er 1910 in Dresden kennengelernt hatte)

"Wir schießen mit dem Maschinengewehr gegen Flieger. Aber es wurde noch kein Flugzeug heruntergeschossen, es ist nicht leicht. Es ist immer das Gleiche, das Wetter ist sonnig und schön. Heute erhielt ich von der K.[unst]G.[ewerbe]Sch.[ule] Zigarren. Aber ich muß sie immer weggeben, da ich selbst nicht rauchen kann. Ich hoffe sehr stark, daß bald Frieden ist, aber ich glaube es nicht. Mit vielen Grüßen Ihr Dix." (22.6.1916, Feldpostkarte an Helene Jakob)

"[...] In meinem kleinen Erdloch, 1 mtr. hoch, 2 mtr. lang, lag ich noch allein mit einem Infanteristen stundenlang im Trommelfeuer. Am Abend wurde es ruhiger, und ich ging zurück. – Die folgenden Tage waren fast noch furchtbarer. [...] Am Abend griff der Feind an. Wegen des Nebels schoß eine Batterie zu kurz und schoß in unseren Steilhang. Furchtbare Bestürzung, schreckliche Verluste, die Leichen lagen herum, Arme und Beine flogen. Von der 6. Komp. [anie] dieses R[e]g[imen]ts blieben 9 Mann übrig. [...] Jetzt sind wir weit hinter dieser Hölle in [...] Maurois. Vielleicht erhalte ich nun bald mal Urlaub. Es sind viele gute Kameraden draußen geblieben, schade um die Kerle. Recht viele Grüße Dix." (15.8.1916, Feldpostbrief an Helene Jakob)

Der Krieg wird ihn Zeit seines Lebens nicht mehr loslassen und ihn bis in seine Träume verfolgen: "Denn ich habe jahrelang, mindestens zehn Jahre lang immer diese Träume gehabt, in denen ich durch zertrümmerte Häuser kriechen mußte, [...] durch Gänge, durch die ich kaum durchkam. Die Trümmer waren fortwährend in meinen Träumen. [...] Nicht, daß das Malen für mich Befreiung gewesen wäre." (1965 in einem Interview)

"1928 fühlte ich mich reif, das große Thema anzupacken, dessen Gestaltung mich mehrere Jahre beschäftigt hat. In dieser Zeit übrigens propagierten viele Bücher ungehindert in der Weimarer Republik erneut ein Heldentum und einen Heldenbegriff, die in den Schützengräben des ersten Weltkriegs längst ad absurdum geführt worden waren. Die Menschen begannen schon zu vergessen, was für entsetzliches Leid der Krieg ihnen gebracht hatte. Aus dieser Situation heraus entstand das Triptychon." (1964)

"Ich war bestrebt, den Krieg sachlich darzustellen, ohne Mitleid erregen zu wollen, ohne alles Propagandistische. Ich habe vermieden, Kämpfe darzustellen. Ich wollte keine ekstatischen Übertreibungen. Ich habe Zustände dargestellt, Zustände, die der Krieg hervorgerufen hat, und die Folgen des Krieges, als Zustände." (1957)

Zu ihrer Ausstellung haben die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden einen Katalog herausgegeben: Otto Dix. Der Krieg – Das Dresdner Triptychon. Sandstein-Verlag, Dresden 2014; 288 S., 29,90 €