80 Angestellte arbeiten bei Brückner, je nach Projektlage kommen dazu meist 10 bis 15 Praktikanten. Diejenigen mit Bachelorabschluss erhalten 750 Euro im Monat, Studenten 500 Euro. "8,50 Euro Stundenlohn könnten wir einem Bachelorstudenten, der keinerlei Berufserfahrung hat, aber nicht bezahlen", sagt Frangoul-Brückner. Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung kommt zu einem ähnlichen Ergebnis: Die Produktivität vieler Praktikanten dürfte einer Entlohnung entsprechen, die deutlich unter dem Mindestlohn liegt, heißt es dort. Alternativ stellt Frangoul-Brückner dann lieber Masterabsolventen ein, für ein höheres Gehalt.

Das muss nicht überall so sein. Schaut man sich an, was ein Architekt in der Region um Stuttgart herum anfangs verdient, wird deutlich, dass das Einstiegsgehalt durchaus niedriger sein kann als ein 8,50-Euro-Praktikantenlohn. Gleiches gilt auch für andere Branchen, etwa die Pflege: Kai Baldringer-Avagliano ist Betriebsleiter des Elisabeth Zeh Medical Pflegedienstes, einer gemeinnützigen GmbH in Berlin, den Pflegehelfern zahlt er neun Euro die Stunde, das ist gesetzlich vorgeschrieben. "Das ist auch das Maximum, das ich zahlen kann", sagt er. Pflegehelfer sind diejenigen, die den alten Menschen beim Waschen und Anziehen helfen oder sich um deren Haushalt kümmern. Eine ausgebildete Fachkraft bekommt zwischen 13,50 Euro und 15 Euro die Stunde bezahlt.

Junge Leute bewerben sich auf Praktika, weil sie Erfahrungen sammeln wollen. Und weil sie hoffen, danach übernommen zu werden. Aus der Studie der Hans-Böckler-Stiftung Berlin geht hervor, dass jeder Zweite aus diesem Grund ein Praktikum absolviert hat. Für rund ein Fünftel der Befragten erfüllte sich dieser Wunsch, sie bekamen anschließend eine Anstellung. Auch das Unternehmen Brückner übernimmt regelmäßig Praktikanten, vier von denen, die zurzeit dort sind, wird Frangoul-Brückner einen Arbeitsvertrag anbieten.

Laut Studie dauert ein Praktikum im Durchschnitt etwa fünf Monate – die Bundesregierung sieht eine Mindestlohn-Befreiung für sechs Wochen vor. Monika Dehmel vom Verein Politik zum Anfassen meint, dass sechs Wochen keinesfalls ausreichen: "Wir hatten auch schon Praktikanten, die nur für acht Wochen bei uns waren, da waren am Ende beide Seiten unzufrieden." Und Shirin Frangoul-Brückner sagt: "Die ersten drei Monate sind reiner Invest, viele Praktikanten entwickeln sich auch erst mit der Zeit."

Es wäre zu überlegen, welche Möglichkeiten es geben könnte, dass kleine Unternehmen weiter Praktikanten beschäftigen – und ihnen trotzdem den Mindestlohn zahlen. Boris Schmidt, Mitautor der Studie über die Generation Praktikum, hält ein Stipendiensystem oder ein verlängertes Bafög für mögliche Lösungen. "Aber wer bezahlt das?" Und zahlte am Ende dann der Staat womöglich auch für ausbeuterische, schlechte Praktika den Lohn?

Auf Anfrage der ZEIT teilt das Bundesarbeitsministerium mit, dass man nicht glaube, dass Praktikumsplätze infolge des gesetzlichen Mindestlohns wegfallen werden. "Und sobald jemand über eine abgeschlossene Ausbildung oder ein abgeschlossenes Studium verfügt, ist es eine Frage der Fairness, diesem Arbeitnehmer dann auch mindestens den Mindestlohn zu zahlen", sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Wer dort übrigens ein Praktikum machen möchte und ohne Studienabschluss ist, bekommt momentan eine Aufwandsentschädigung von 300 Euro, so steht es auf der Internetseite. Das entspricht 2,06 Euro Stundenlohn. Brutto.

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