Über Renate Lasker-Harpprecht hatte ich bis dahin nur von ihrem Mann gehört, dem großen Publizisten Klaus Harpprecht, der bis heute auch für die ZEIT schreibt. Von ihm kam eines Tages der Hinweis, seine Frau habe das Bedürfnis, über ihren Überlebenskampf während des Nationalsozialismus einmal in aller Ausführlichkeit zu sprechen. Renate Lasker-Harpprecht lebt seit den achtziger Jahren mit ihrem Mann an der Côte d’Azur, wo auch dieses Gespräch stattfindet. Wir sitzen in ihrem Wohnzimmer, der Himmel über der Bucht hat sich zugezogen, bald regnet es in Strömen. Kein einziges Mal lässt sich Renate Lasker-Harpprecht während der kommenden Stunden von ihren Gefühlen überwältigen. Manchmal findet sie den richtigen Ausdruck nur im Französischen, Englischen oder Italienischen.