Der Weg in die wichtigste Baumwollregion im Osten führt über die Hauptstadt Lusaka. Dort sprießen riesige südafrikanische und chinesische Shoppingmalls aus dem Boden. Baustellen überall. Die Wirtschaft wächst, weil Kupfer und Kobalt aus Sambias Minen in den vergangenen Jahren weltweit gefragt waren. Doch wo die Asphaltstraßen in holprige Staubpisten übergehen und sich Felder und Bananenhaine, Viehweiden und Buschland endlos auszudehnen beginnen, da hängt die Existenz der Bauern am baumwollenen Faden.

Der Baumwollanbau bringt das Geld für die Schulgebühr ein

"Wir arbeiten hart, und was kommt dabei heraus?" Sidonia Sakara deutet auf ihren Rücken, wobei sie halb ironisch, halb ernst das Gesicht verzieht. "Nshima morgens, nshima abends. Das ganze Leben ein einziger Maisbrei. Wie schön wäre es, wenn wir mal mit einem Sack Reis etwas Abwechslung in unseren Speiseplan bringen könnten!" So wie die Leute in Veni leben zwei Drittel der Bevölkerung ärmlich in runden, strohgedeckten Lehmhütten. Oft haben sie nur ein, zwei Hektar Land und verdienen höchstens zwei Dollar am Tag. Eine Dusche im Bastmatten-Rondell in der Mitte des Dorfes muss für alle reichen. Die Kinder laufen zehn Kilometer weit zu Fuß zur nächsten Grundschule und zehn Kilometer wieder zurück.

"Baumwolle pflanzen wir, um die Schulgebühren bezahlen zu können", sagt Nelly Pitori, die Temperamentvollste im Frauenklub. Viele Familien müssen von den Einnahmen aber auch Lebensmittel kaufen; in der hungry season, wenn der Silo neben ihrer Hütte leer ist und der neue Mais noch nicht reif. Und jetzt sollen darüber hinaus Grundsteine für eine bessere Zukunft gelegt werden. "Wir wollen uns Nähmaschinen besorgen", erzählen die Klubfrauen. "Dann können wir in der Stadt nicht nur Eier verkaufen, sondern auch Schuluniformen und Babysachen."

Es ist alles eine Frage der Perspektive: In den Weltmarktstatistiken mag der afrikanische Anteil von zehn Prozent am Baumwollhandel marginal erscheinen neben den Abermillionen Tonnen, die in den USA, China, Indien, Pakistan oder der Türkei mit Bewässerungsanlagen, chemischen Entlaubungsmitteln, Hightech-Harvestern und hohen staatlichen Subventionen produziert werden. Doch für etwa 20 Millionen Menschen, für viele Familien in Sambia oder Benin, hängt oft mehr als die Hälfte ihres Einkommens davon ab, ob der Anbau der Cash Crop genug bringt.

"Deshalb müssen wir die Produktivität steigern." Emmanuel Mbewe wiederholt immer wieder das zentrale Credo von CmiA. Der Agrarexperte aus der nahe gelegenen Provinzstadt Chipata hat uns nach Veni gefahren. Im Auftritt hyperkorrekt, den Bauern gegenüber ein wenig paternalistisch, vereint er das Bürokratenhafte der früher staatlichen Baumwollbranche mit seiner heutigen Rolle als Projektmanager bei Cargill.

Diesem Agrarhandelsriesen aus den USA gehört eine der drei größten Baumwollgesellschaften in Sambia. Noch stehen die Entkernungsanlagen in den hohen, offenen Werkshallen still. "Doch wenn die Farmer im Herbst ihre Ernte bringen, ist dort alles in Bewegung", sagt Emmanuel Mbewe. Unter Rattern trennen dann scharfe Sägen die Baumwollfasern aus den Samenkapseln. Arbeiter im Blaumann verpacken das weiße Gold in Säcke, die per Lkw zu den Häfen in Tansania oder Mosambik und von dort über den Indischen Ozean in die Spinnereien und Nähereien nach Asien reisen, zum Beispiel nach Bangladesch.

Am Anfang der Produktionskette sind Cargill und die beiden anderen großen Baumwollaufkäufer Dunavant/NHK und Alliance nun gemeinsam mit den deutschen Entwicklungsagenturen DEG und GIZ dafür verantwortlich, dass die Nachhaltigkeitsstandards von CmiA praktisch umgesetzt werden. Dazu gehören unter anderem: keine Kinderarbeit, keine Gentechnik, keine verschwenderische künstliche Bewässerung. Vor allem sollen die Farmer die Probleme beim Anbau der anspruchsvollen Baumwolle mit neuen Methoden besser bewältigen können. "450 oder 500 Kilo ernten die Leute hier durchschnittlich pro Hektar", sagt Mbewe, "in den Hochertragsregionen kommen sie auf 2000 Kilo. Da wäre schon eine Verdoppelung ein Erfolg."

Leicht ist das nicht zu erreichen. "Bauern lassen sich nicht so schnell auf Neues ein", sagt Venasio Miti. Doch der Dorfvorsteher von Veni hat einschließlich der Klubfrauen 54 Kollegen für die Baumwollschule von CmiA gewonnen. Eine von über 2000 Cotton-Schools.

Der hagere Bauer im roten T-Shirt führt uns zu ihrem Demonstrationsacker am Rand des Dorfes. Darauf stehen propere, junge Pflanzen inmitten eines Teppichs aus verrottendem Stroh. "Wir haben gelernt, die Erntereste liegen zu lassen, um die Erosion aufzuhalten und das Bodenleben zu verbessern", erklärt Venasio Miti. "Deshalb pflügen wir jetzt weniger und lockern die Erde nur mit dem Grubber auf." Ein Kollege geht in die Knie und deutet auf kleine Mulden, aus denen die Pflanzen sprießen: "Die graben wir, damit der Regen besser in Erdreich und Wurzeln eindringen kann." Auch Düngemittel kommen zielstrebig in diese Kuhle. "Dann sind sie gleich an der Wurzel, und man braucht weniger davon." Fruchtfolgen mit Soja, Mais und Erdnüssen sollen den Boden lockern und mit Stickstoff anreichern. Einige CmiA-Bauern nutzen jetzt Kompost.

Pestizide, auch starke, bleiben bei CmiA trotz der Ansprüche an die Umweltverträglichkeit erlaubt. Kaum eine andere Pflanze ist ähnlich anfällig für Schädlinge und Unkräuter wie das Malvengewächs. Immerhin sind all jene Spritzmittel verboten, die von der Weltgesundheitsorganisation als gefährlich eingestuft werden. "Und wir sprühen auch nicht mehr drauflos", sagt Venasio Miti.

Dabei hilft eine schmale Schablone, auf der die wichtigsten Angreifer abgebildet sind. Damit können die Bauern Milben, Läuse und Kapselbohrer auf dem Feld identifizieren und auszählen. Erst wenn der Befall eine vorgegebene Schwelle überschreite, werde gesprayt, sagt Emmanuel Mbewe. Dann deutet er auf kleine, weiße Folien, die wie Fähnchen auf einem Teil des Demonstrationsfeldes stehen. Melassefallen. Sie locken Insekten in einen süßen Tod, statt sie chemisch zu vergiften. Auch solche Methoden des biologischen Pflanzenschutzes werden neuerdings ausprobiert.

Zeit für die wichtigste Frage: Lohnt sich all die Mühe? "Auf jeden Fall", antwortet Venasio Miti, "die letzte Ernte war sehr gut." Sidonia Sakara behauptet sogar aus voller Brust: "Dieses Jahr sieht mein Acker noch besser aus als das Demonstrationsfeld!"