Studien bestätigen, dass die Erträge vieler CmiA-Bauern sich erhöht haben. Um durchschnittlich ein Viertel legten sie demnach in Ost- und Westafrika zu. Als Plus halten die Gutachter zudem fest, dass sich die neuen Praktiken oft auf den Anbau von Nahrungsmitteln übertragen ließen. Die Einkommen seien je nach Land um ein Viertel bis ein Drittel gestiegen.

Die Trainings zeigen Wirkung, in Sambia und anderswo. Der Bedarf nach Fortbildung und Betriebsmitteln ist groß, doch wie überall in Afrika sind in Sambia seit den neunziger Jahren die staatlichen Agrarberater, Kreditbanken und Landhandelsunternehmen auf Druck der internationalen Geber abgeschafft worden. Nun springen neben der Regierung und Nichtregierungsorganisationen auch die privaten Unternehmen ein. Einige Bauern von CmiA gründen jetzt sogar eine eigene Genossenschaftsbank. Da entsteht etwas, das sind gute Nachrichten. Doch es gibt auch schlechte. "In den letzten beiden Jahren waren wir nicht zufrieden", sagen viele Bauern in Veni. Auch die Klubfrauen unter dem Mangobaum mussten ihre Schneiderei-Pläne aufschieben, sie sagen: "Das hat uns schon enttäuscht".

Die Ursache dafür ist der Baumwollpreis. Er sank 2012 von außergewöhnlich hohen 3200 sambischen Kwacha pro Kilo auf die Hälfte. Zugleich wurden Dünger, Saatgut und Pestizide teurer. Die Baumwollgesellschaft finanziert diese Betriebsmittel vor und zieht die Kosten vom Erlös für die Ernte wieder ab – dabei machten viele Vertragsbauern 2012 und 2013 einen schlechten Schnitt. In Ostafrika federt, anders als in westafrikanischen Baumwollländern, kein staatlicher Mechanismus die Preisschwankungen ab. Viele Farmer gingen wutentbrannt auf die Straße.

Aus Kleinbauern sollen kommerziell denkende Landwirte werden

Dass auch Bauern, die bei CmiA mitmachen, im Auf und Ab der Baumwollbörsen gefangen bleiben, ist bedingt durch das System. Die Nachfrage-Allianz der Konzerne finanziert ihnen keine verlässliche Prämie, so wie es Fair-Trade-Initiativen tun. Das Einkommen soll allein durch die größere Produktivität steigen. Doch der Mengenzuwachs kann die Anfangsinvestitionen und die harte Arbeit oft nicht ausgleichen, wenn die Preise in den Keller gehen. Da umgekehrt die Rohstoffe auch nicht zu teuer werden sollen, bleiben die Perspektiven für die Bauern ungewiss.

Eine Lösung sehen die Initiatoren von CmiA in sogenannten Farmer Business Schools. Noch mehr Training soll Interessenten Möglichkeiten nahe bringen, wie sie schlechte Baumwolljahre besser überstehen. Unter dem Mangobaum in Veni oder im Schulhaus ihrer Kinder im Dorf Lundazi lernen die Farmer, wie man Konten und Bücher führt, aktuelle Preisentwicklungen vorwegnimmt und seine Feldfrüchte diversifiziert, um von der Baumwolle unabhängiger zu werden. Mais und Soja etwa sind nicht nur gut für die Fruchtfolge, sie bringen zurzeit auch gutes Geld. Die Hühnerfarmen, die die wachsende urbane Mittelschicht in Lusaka oder Chipata mit Eiern und Fleisch versorgen, brauchen Futtermittel. "Aus Subsistenzbauern sollen kommerziell denkende Landwirte werden", sagt Emmanuel Mbewe.

John Lungo zum Beispiel hat das geschafft. Die Bauernschläue ist ihm ins Gesicht geschrieben. Im Blaumann lenkt der zierliche, aber zähe Bauer einen knallroten Traktor durch die Feldflur. Solche Zugmaschinen finanziert das CmiA-Projekt erfolgreichen Vertragspartnern vor. Sie dienen nicht nur als mechanische Hilfe, sondern auch als Einnahmequelle, weil man sie an die Nachbarn vermieten kann. Die Geschäfte liefen so gut, sagt John Lungo, dass er schon den zweiten Trecker leasen wolle und nach einem weiteren Stück Land Ausschau halte. Zehn Hektar bewirtschafte er bereits zusammen mit seinen Söhnen, "und meine Arbeit ist jetzt viel interessanter".

Die Förderer haben durchaus auch eigene Interessen

All das läuft auf größere Betriebe hinaus, auf einen allmählichen Strukturwandel. Wachse oder weiche, ähnlich wie in Europa. Einige Nichtregierungsorganisationen kritisieren deshalb, dass CmiA weniger den armen Familienbetrieben nütze als vielmehr den Cleveren, die ohnehin bessere Startchancen hätten. Außerdem würden die Bauern zu sehr auf die Produktion für den Export eingeschworen statt darauf, Nahrung für lokale Märkte in neuer Vielfalt zu erzeugen. Baumwollgesellschaften und Textilindustrie spannten freie Bauern für ihre eigenen Interessen ein.

Dass Cotton made in Africa uneigennützig helfe, behaupten allerdings auch die Initiatoren nicht. Ihr Schlagwort lautet Win-win. Cargill und Co. wollen bewusst Vertragsbauern an ihre Unternehmen binden. Denn wenn der Preis zu niedrig ist, dann pflanzen viele sambische Bauern auch mal ein Jahr lang gar keine Baumwolle an. Oder sie lassen sich erst das Saatgut vorfinanzieren und gehen dann fremd bei anderen Aufkäufern. "Piraten" nennt Emmanuel Mbewe solche Konkurrenten.

Die großen Textilfirmen in Europa und den USA wollen mit ihrer Entwicklungsarbeit in Afrika auch ihre Ressourcenbasis erweitern. Weltweit steigt die Nachfrage nach der wichtigsten Faser, erst recht nach solcher, die umweltverträglich produziert wurde. Aber die Ernten sind wegen des Klimawandels fast überall unberechenbar geworden. Da ergibt es Sinn für die Unternehmen, sich breiter abzustützen und sich Bezugsquellen in Afrika zu erschließen.