Das Verfahren gegen Facebook läuft bereits seit vier Jahren. So, wie es aussieht, könnte es demnächst vor dem Bundesgerichtshof landen. Dann gäbe es hierzulande das erste höchstrichterliche Urteil in einem Prozess gegen einen Internetriesen in Sachen Datenschutz.

Verbraucherschützerin Elbrecht räumt ein: "Die Verfahren sind kompliziert und zeitraubend." Zum einen geht es um unklare Formulierungen, zum anderen um den generellen Versuch, nur mit einem Klick die Einwilligung zu weitreichenden Datensammlungen zu erhalten. Ganz dreist gehen in den Augen der beiden Verbraucherschützerinnen jene Konzerne vor, die meinen, ganz ohne Einwilligungen der Nutzer massenhaft persönliche Daten einsammeln und verarbeiten zu dürfen. Welche Chance aber haben sie überhaupt?

Am Ende könnten ihre Initiativen an zwei ganz grundsätzlichen Fragen scheitern: Muss sich ein US-Konzern wie Facebook mit einem Sitz in Irland überhaupt an das deutsche Datenschutzgesetz halten? Mit einer neuen Verordnung will die EU die unterschiedlichen Standards beim Datenschutz innerhalb Europas zwar harmonisieren, aber noch ist es nicht so weit. Das Vorhaben kommt in Brüssel nicht voran.

Im Fall Google ist vor allem eine Frage brisant: Erhalten die Verbraucherschützer tatsächlich das Recht, sich juristisch in den Datenschutz einzumischen? Eigentlich gehören die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zu ihrem Revier. Monieren sie aber Verstöße gegen den Datenschutz, ist es umstritten, ob sie zuständig sind. Skutnik und Elbrecht hoffen deshalb auf eine Initiative von Justizminister Heiko Maas. Der hat angekündigt, das Unterlassungsklagengesetz zu ändern. Dann könnten die Verbraucherschützer auch unabhängig von den AGB in Sachen Datenschutz aktiv werden.

Sieben Verfahren, erste Achtungserfolge – und noch viele ungeklärte Fragen. Klingt nach unendlicher Geschichte. Was also bringt das alles? "Die Klagen schärfen das Problembewusstsein der Verbraucher und senden Signale an andere Unternehmen, sich an Recht und Gesetz zu halten", sagt Bianca Skutnik.

In der Tat ist es mit dem Bewusstsein der Nutzer nicht weit her. Laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach haben sich 80 Prozent der Smartphone- und Tablet-Besitzer zwar schon Apps heruntergeladen, aber die meisten von ihnen lesen die Bestimmungen, in denen der Umgang mit ihren persönlichen Daten geregelt ist, nur sporadisch. Noch können sie sich offensichtlich nicht vorstellen, was mit den vielen Daten geschieht, die aus aus den unterschiedlichsten Quellen gesammelt werden. Und bald werden sie deshalb auch nicht wissen, warum sie keinen neuen Handy- oder Mietvertrag bekommen, als Bewerber von einem Unternehmen abgelehnt werden oder keinen Kredit mehr erhalten. Oder warum Freunde Markenjeans oder Schuhe viel günstiger bekommen.

Dynamic Pricing nennen Fachleute eine Technologie der Zukunft. Sie macht es möglich, von Fall zu Fall einen Preis anzuzeigen, von dem das System glaubt, dass der spezielle Kunde ihn zu zahlen bereit ist. Grundlage für derlei Prognosen sind jene Spuren, die er zuvor im Netz hinterließ: die Websites, die er besucht hat. Die Straße, in der er wohnt. Die Restaurants, die er bevorzugt. Die Shops, in denen er einkauft. Beziehungen, die er pflegt.

"Derzeitige Praktiken gefährden nicht nur das Verbrauchervertrauen, sie berühren auch das Vertrauen in die demokratische Verfasstheit unserer Gesellschaft schlechthin", mahnen die Grünen im Bundestag. Und sie sind nicht die Einzigen mit dieser Einschätzung. Dirk Heckmann, Professor für Öffentliches Recht, Sicherheits- und Internetrecht an der Universität Passau hält die Sammlung aller App-Daten in ihrer Gesamtheit sogar "für verfassungswidrig".