Der Jungbrunnen ist nicht länger ein Mythos. Er ist ganz einfach zu finden. Das Elixier, mit dem sich das Alter bezwingen lässt, steckt – Bram-Stoker-Fans , aufgepasst! – in jungem Blut. Zumindest in dem von Mäusen.

Diese Woche haben Forscher der Harvard-Universität einen Befund bestätigt, den Kollegen in Stanford – ohne größeres Aufsehen – schon 2011 veröffentlicht hatten. Verbindet man chirurgisch den Blutkreislauf einer alten Maus mit dem eines Jungtiers, geschieht Erstaunliches: Dem greisen Tier sprießen neue Nervenzellen, Lernen und Gedächtnis verbessern sich. Die Herzfunktion und auch die Muskelleistung werden gesteigert. Kurz: Die alten Versuchstiere, mit 24 Monaten echte Methusalems, erleben einen zweiten Frühling. Die Forscher meinen auch herausgefunden zu haben, welche Substanz im Blut dieses Wunder bewirkt. Sie heißt BMP11, ist ein kleines, seit Langem bekanntes Eiweiß – und tatsächlich: Ihre Konzentration im Blut von Mäusen lässt im Alter nach. Gentechnisch hergestellt wird die Wunderdroge auch schon. Spritzt man den Maus-Senioren diesen Stoff, erzielt man den gleichen Effekt wie durch die grausame Operation. Tolle Sache.

Und was ist mit uns Menschen? Gibt es endlich Hoffnung für die von kognitiven Einbrüchen und sportiver Tristesse bedrohten Rentnergesellschaften der Industrieländer? Die Harvard-Universität hat sich bereits die Patente für die Wundersubstanz gesichert. Doch die Verjüngung unserer Senioren wird vermutlich nicht ganz so einfach vonstatten gehen. Für einen Einfluss auf den Alterungsprozess des Menschen spricht zwar, dass BMP11 auch bei jedem von uns im Blut zirkuliert. Und dass, wie bei den Nagern, die Jugend davon viel mehr im Blut hat als die Primärzielgruppe des öffentlich-rechtlichen Abendprogramms.

Doch was die Wissenschaft über die fragliche Ingredienz noch weiß, macht skeptisch.Etwa über eine wichtige biologische Wirkung: Sie blockiert das Nervenzellwachstum. Also genau den Vorgang, der eigentlich für eine Verjüngung sorgen sollte. Wie also kann der Stoff das Gedächtnis fit machen oder das Lernen im Alter verbessern? Man wisse um diesen Widerspruch, bekennen die Harvard-Wissenschaftler auf Nachfrage, glaube aber an einen indirekten Effekt auf das Gehirn. Da ist wohl noch einiges unklar. Kostspielig ist der Stoff auch noch: Für nur 10 Millionstel Gramm sind 500 Euro zu berappen.

Bleibt nur, weiter im Blut zu fahnden, nach anderen Jungbrunnenstoffen. Oder gleich das ganze Gemisch zu sich zu nehmen: Die Transfusion jungen Blutplasmas könnte ja tatsächlich die Alten verjüngen.

Schon kündigen Witzbolde via Twitter an, man werde sich nun die Eckzähne feilen. Doch wer nächstens in Dracula-Manier auf der Jagd nach jungem Blut und einer Extraration BMP11 durch die Nachbarschaft streift, hat schlechte Karten: In der Magensäure löst sich der Zauber auf. Es sei denn, man ist wirklich untot.